Über den Tellerand: Highlights in Dresden, für die ich mein Viertel verlasse

Als absolutes Altstadtkind muss man sich nicht viel bewegen, um sich genussfreizeitlich zu betun. Zwischen Schauspielhaus und Sushi-Bar, zwischen Kulturwerk-Mitte und Kaffeehaus liegen nur ein paar Schritte. Und wenn man doch einmal etwas mehr Bewegung braucht, dann überquert man einfach die Augustusbrücke und ist sofort in der Neustadt. Aber Dresden ist groß und hat noch mehr zu bieten als Altstadt und Neustadt. Die Redaktion hat mich gefragt, für welche elbflorentinischen Highlights ich mein Viertel verlasse. Hier ist meine Antwort.

Spaziergang durch Pieschen

Pieschen war für mich lange ein dunkler Fleck irgendwo hinter der Neustadt. Dann habe ich engagierte Pieschnerinnen kennengelernt und mir den Stadtteil beleuchten lassen. Und jetzt leuchtet es wild und hell und in den buntesten Farben. Ein in die Hinterhöfe linzender Spaziergang durch Pieschen, vorbei an den geschlossen bebauten, oft üppig bepflanzten Kopfsteinpflasterwegen Richtung Hafen, ist nicht nur optisch ein Genuss. Multikulti-Imbisse sorgen dafür, dass man facettenreich satt wird. Etwas schicker sitzt man im &Rausch. Für Wein und Käse geht man ins Savoir Vivre, ein Laden mit unglaublichem Flair. Selbst die Spätis sind hier besonders. „Mole„, eine Spätkauf-Bistro-Symbiose in der Leipziger Straße, ist nicht nur mega hip, sondern hat auch manchmal einen DJ da. Mit dem Zentralwerk ist ein neuer Stern am Dresdner Kulturhimmel aufgegangen, den man nicht aus den Augen verlieren sollte. Pieschen ist cool und lohnt sich zu entdecken!

Frankreichladen in Dresden

Weintrinken in Radebeul

Die Sachsen und ihre Weine, was für eine verrückte Geschichte aus Elbsandstein und Sonnenreflexion und Schall und Rausch. Die ganzen Winzer der Region warten mit tollen Events auf, vor allem im Sommer. Zum Tag des offenen Weinguts kann man gutbetuchte, angezeckte Silberköpfe beobachten und durch die Weinberge schlendern. Und der Eventkalender des Sächsischen Staatsweingutes auf Schloss Wackerbarth ist wirklich immer picke-packe-voll mit Freizeitspaß rund um das göttliche Getränk. Vermutlich liegt’s an den Umdrehungen und daran, dass hier einfach alle Geld haben, aber: In Radebeul ist die Welt noch in Ordnung.

Tanzen in Briesnitz

Where the fuck ist Briesnitz werden einige von euch jetzt sagen. Und klar, wer kennt sich schon im Dresdner Westen aus, wo nachts manchmal nach 11 kein Bus mehr fährt? Aber Briesnitz ist speziell. Nicht nur dass Briesnitz über 70 Kulturdenkmälern eine Heimat ist (und so sieht’s da auch aus). Eines dieser Kulturdenkmäler ist auch für eine Vielzahl meiner erquickendsten Abende eines jeden Jahres verantwortlich: Der Gasthof Briesnitz. Oder besser gesagt sein Ballsaal. Von 1933 bis in die 1980er Jahre als Kino „Film-Eck“ geführt, wird er heute als Konzertsaal mit dem klingenden Namen Beatpol genutzt. Welch wunderbares Booking, welch engagiertes Team und was für eine fast märchenhafte Atmosphäre diese Location doch ausmacht. Der Beatpol kümmert sich um seine Künstler und Künstlerinnen, wählt sie sorgsam „die-Guten-ins-Töpfchen-die-schlechten-ins-Kröpfchen“-mäßig aus. Man spürt die Liebe, die Macher vor Ort für das haben, was sie tun. In diesem Jahr kommen Gisbert zu Knyphausen, Faber, Sarah Lesch und die Shout Out Louds. Im April steht das Polimagie-Festival in Koop mit dem Ost-Pol an. Man muss unter den stuck-verzierten Himmel dieses einzigartigen Konzertsaals treten. Mindestens einmal. Und dann immer wieder.

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