Straußwirtschaft & Weinausschank: Die Geheimtipps rund um die Traube

Was eine Straußwirtschaft überhaupt ist und wo man sich hellauf begeistern lassen kann!

Eine Großartigkeit an Dresden ist die Nähe zur Natur. Nicht nur innerstädtisch ist man in ein paar Schritten im Grünen und kann sich bein-ausstreckend entspannen. Auch in unmittelbarer Umgebung befinden sich die lohnenswertesten Orte zum Seele-baumeln-lassen. Das wissen die Kletterer und Wanderinnen, das schätzen die Radlerinnen und all jene, die gern auf Booten und Schiffen unterwegs sind – und die Genießer wissen’s auch! Denn das Dresdner Umland ist vor allem auch Weinland.

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Des Sommers habe ich mein Herz an eine bestimmte Art Ausflugsziel gehangen: Den Weinausschank, oder genauer: Die Straußwirtschaft. Und das hat von Gaumenfreuden bis hin zu Schauwerten viel-sinnige Gründe!

Kleine Gärten werden zur Freiluft-Einkehr

Als (vor laaanger Zeit) Zugezogene kennt man den Begriff „Straußwirtschaft“ ja nicht von klein auf. Denn das ist eine Sache, die es nur in Weingebieten gibt. Winzer und Weinbauern öffnen saisonal (meist von Mai bis September) Gastronomien, in dem sie den selbst erzeugten Wein ausschenken. Das können mittelgroße Güter sein oder ebene, ausladende Terrassen an Hängen – wie Hoflößnitz. Das sind aber im Besonderen auch kleine Gärten, Gehöfte und Privatanwesen, die sich in den warmen Monaten regelmäßig in eine Freiluft-Einkehr verwandeln.

Früher hing man einen Strauß ans Gartentor, um zu zeigen: Es ist geöffnet. So kam die Straußwirtschaft zu ihrem Namen. Auch Besen, Kränze oder Rädel konnten ein Zeichen für „geöffnet“ sein. Das zeigen die zahlreichen, namentlichen Alternativen für dieses Phänomen: Besen-, Kranz- oder Rädlewirtschaft gibt es beispielsweise.

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Zwischen den Elbschlössern betreibt der Winzer Lutz Müller mit seiner sonnig-heiteren Familie jedes Jahr ab Mai eine solche Schankwirtschaft recht stadtnah. Wenn man am Schloss Albrechtsberg von der Bautzner Landstraße Richtung Elbe flaniert, kann man den bunten Strauß und das einladende, wegweisende Schild kaum übersehen. Mindestens am Wochenende kann man dort über den Reben sitzen, ins Elbtal schauen, ein paar Oliven essen und Müllers herrlichen Kerner genießen. Ein Lehmbackofen backt unermütlich Flammkuchen – es sei denn, die Wirtschaft ist mal wieder ausverkauft. Direkt am Elberadweg ist dieser Weingarten immer gut besucht und längst kein Geheimtipp mehr. Ein Besuch lohnt sich trotz stetig vollem Haus dort immer, denn eine große Wiese erstreckt sich hangaufwärts hinter der kleinen Theke. Platz ist dort genug, auch für größere Gruppen.

Radebeul mit vielen Ausflugszielen

Verschlafener sind die Ziele in Radebeul, wo es neun dieser Schankwirtschaften gibt. Jede ist so eigenartig niedlich, viele sind versteckt. Um zur Straußwirtschaft Ballbergaussicht (Bodenweg 39 b) zu kommen, muss man nicht nur die berühmten 365 Stufen der Spitzhaustreppe erklimmen, sondern sogar über ein Maisfeld huschen. Die Wirtschaft wird von einem älteren Ehepaar betrieben und wirkt zauberhaft entrückt. In ihrem wie verwunschenen Garten haben die Eheleute ein paar Tischchen aufgestellt und donnerstags bis samstags tönerne Weinkühler in kaltes Wasser getränkt. Kleine Speisen, etwa Platten mit Aufschnitt oder hausgemachte Entensülze, gibt es hier – einen Schwatz am Tisch mit den Inhabern natürlich auch. Die Trauben ihres Hangs lassen sie auf dem Weingut Jan Ulrich keltern. Den Wein gibt es aus diesen mächtigen, grün-stämmigen Römergläsern – kernig. Wer beim Trinken über den Gläserrand blickt, kann bis zur Festung Königstein und dem Geisingberg schauen. Weltfremd ist es hier, schön.

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Schaukeln und schauen

Ebenfalls auf dem Goldenen Wagen öffnet die Familie Lorenz ein kleines Stück Glückseligkeit für Weinliebhaber. Auf dem Weg zum Spitzhaus kann man rechter Hand ein Anwesen betreten, das nicht nur mit einer süßen, hölzernen Terrasse glänzt. Folgenden Satz möchte ich mit möglichst viel Enthusiasmus gelesen wissen: ICH HABE NOCH NIE SO VIELE HOLLYWOOD-SCHAUKELN AUF EINEM HAUFEN GESEHEN!!! Schaukeln, Wein von Frédéric Fourré trinken und ins Elbtal schauen! Was kann es Besseres geben?

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Die Besenschänke Haselbusch unterhalb der Friedensburg an der Treppe neben der Bodelschwinghstraße 8 hat nicht nur den besten Namen ever! Sie bietet auch einen Panoramablick von der Sächsischen Schweiz über die Dresdner Altstadt bis ins Erzgebirge. Dem Sturm Frederike hat die Terrasse ihre neue Überdachung zu verdanken, eine wilde Kirsche war hinein gekracht. Aus dem Gehölz zimmerte einer der beiden Weinbauer nun kurzerhand einen Tisch für die neuentstandene Sitzecke. Süße Rache! Die Infos stammen natürlich vom Winzer selbst, der viel am Tisch ist und erzählt und seine Genossenschaftsweine nachschenkt. Eine Ort, der selig macht.

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Geselligkeit und Lebensfreude sind zu Hause in diesen kleinen Schänken. Und das Dresdner Umland hat viel davon zu bieten. Ich kann nur empfehlen, sie alle zu entdecken!

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