Feine Karte, aber lohnt sich der Preis? – Steak House „Steak Royal“

Fleisch, Wein, Gemüse? Dieses Restaurant bietet alles und hat vor allem aber eine besonders vertraute Überraschung auf der Karte. Lohnt sich das?

Dieser Herbst ist ein Sorgenkind, vor allem, weil er sich bereits seit Ende August breit macht. Während ich also tagtäglich durchs Nasskalt stapfe und versuche, mir wonnige Gedanken zu machen, hab ich die ruinösesten Einfälle. Zum Beispiel diesen hier: Ich muss jedes Restaurant in meinem Stadtteil schon einmal besucht haben. Nun wohne ich in der Altstadt, die Restaurant-Dichte ist hoch. Und obwohl ich quasi Hans (Hanna?) Dampf in allen (Münz-)Gassen bin, habe ich da natürlich noch einige Besuche offen. Und jetzt habe ich ein ganzes, kalt-ekliges Halbjahr Zeit, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Heute: Das Steak Royal, Weiße Gasse 4. Klingt schon mal… naja Royal. Gut, dass ich meine Krone immer dabei habe. Ich schreite also durch einen dicken Vorhang aus Regen in das Steak House hinter dem herrlich pittoresken Springbrunnen in Dresdens berühmter Restaurant-Straße und sehe, was die großen Fenster von Außen bereits erahnen ließen. Der Raum: Ein Kubus! Hohe Wände, ansonsten eher klein. Dunkles Holz, warmes Schummerlicht, Tafeln, Leder. Ich glaube, das Steak Royal gehört zu den Läden, in denen man komisch angeschaut wird, wenn man sein Essen fotografiert. Pech für mich, das ist ja mein Job. Aber da man als Bloggerin auch mal Segways testet oder auf ein Schlagerkonzert gehen muss, ist man Peinlichkeiten gewöhnt. Das Handy bereits im Anschlag werde ich und die begleitenden Herren an den reservierten Tische geführt.

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Es ist schön hier, gemütlich. Interessant, denn der Raum ist doch nach oben so offen, die Tische klein und eng beieinander, die Deko irgendwie bäuerlich. Aber diese Altstadtbauten haben einen gewissen Charme, die Räumlichkeiten sind so spannend geschnitten, mit vielen Ecken und Winkeln und so ist es auch hier. Ich bin gespannt, was die Karte sagt.

Der nette Kellner bringt uns zunächst die Dry Aged-Spezialkarte. Wow! Argentinisches Roastbeef gibt es hier bis 330 Gramm, Irisches Rumpsteak bis 800 Gramm – für dieses besonders gereifte Fleisch muss man natürlich ein paar mehr Scheine in die Geldbörse packen. Ein Blick in das Menü enttäuscht ebenso wenig: Das Steak House tischt saisonal auf, auch vegetarisch (hört, hört) und es stellt selbst Limonaden her: Pfirsich-Holunder, Himbeer-Vanille  oder Mango-Minze heißen die Sorten. Aber da es auch Wein vom Weingut Schwarz gibt, entscheiden wir uns besser dafür (als ob hier jemand alkoholfrei getrunken hätte).

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Natürlich sind Fleischgerichte das Steckpferd des Steak-Restaurants. Neben Kuh finden sich auch Maishähnchen und Schwein auf der Karte; dazu kann man sich je Beilagen aussuchen, von Salat bis zur Ofenkartoffel. Wirklich beachtlich ist aber dieser Knaller: Man serviert Hüftsteak „Au Four“. Der gemeine Dresden-Tourist wird verwundert schauen und nicht weiter wissen bei dieser exotisch klingenden Speise. Aber der Schlemmer-Ossi weiß, dass es sich hierbei um eines der vermutlich genialsten Gerichte DER WELT handelt: Schweinesteak (sprich: Schteek) mit Ragout fin (sprich: Ragufeng, auch als „Würzi“ geläufig) und Käse überbacken. Unglaublich! So ein schickes Restaurant und dann den Ost-Haut-Cuisine-Klassiker in der Karte! Das lob‘ ich mir, denn das Gericht darf niemals sterben.

Und wie schmeckt’s? Die Antipasti sind vernachlässigbar, kommen allerdings an einem hinreißenden Knoblauchbrot. Aber wer interessiert sich hier schon für Gemüse (dass es übrigens in großer Auswahl gibt)? Die Fleischspezialitäten werden auf dem heißen Stein gegrillt und sind punktgenau – buttrig, saftig, wirklich empfehlenswert. Dry Aged-Spezialitäten hat die Küche also drauf und auch das Hähnchen und mein Lammkarree sind zum zerfallen zart und dabei außen knusprig. Ein weiterer Tipp: Die Café-de-Paris-Butter sorgt für zusätzliche, aber sehr elegante Würze.

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Natürlich ist das Steak Royal kein familiär-kuscheliges Gaststättchen, es fehlt vielleicht ein bisschen an Charakter oder Schneid. ABER: Der Laden ist nett und professionell bewirtschaftet, legt eine sympathische Karte mit einer Mischung aus Ostalgie und modernen Kreationen vor und versteht sein Handwerk außerordentlich – perfekt für ein Geschäftsessen etwa, wenn die Schwiegereltern kommen oder man einfach nur seine Ruhe bei einem guten Stück Fleisch haben will. Die Weinkarte ist schmal und gut, sogar eine kleine Auswahl Craft Beer gibt es. Billig ist das ganze nicht, aber muss es ja auch nicht.

Vermutlich stopft man nicht jeden Tag so viel Fleisch in sich hinein, aber wenn man es mal tun möchte, dann ist man in diesem Steak House  in jedem Fall an der richtigen Adresse.

Steak Royal
Weiße Gasse 4, 01067 Dresden
Täglich geöffnet ab 11 Uhr

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