Dresden strahlt – 10 Tipps für den SemperOpenairball

Unter dem Motto: „Dresden strahlt – grenzenlos in alle Welt“ findet morgen der 12. SemperOpernball statt. Wir haben natürlich keine Karte, aber Tipps, wie man den Openairball auf dem Theaterplatz in bester Laune übersteht.

Endlich wieder Semperopernball. Nein falsch, man schreibt SemperOpernball! Das ist wichtig, denn man möchte die Nähe zum großen Vorbild, dem Opernball (dem Wiener?), verstanden wissen. Von A- bis Y-Promi macht sich zurecht, wer zum Besuch überredet werden konnte, schmeißt sich in Schale und ist bereit, am Freitag viel zu viel zu essen und den Champagner fließen zu lassen. Und auch ich bin bereit: Wie in jedem Jahr fiebere ich meinem verhasst-geliebten ersten Party-Höhepunkt entgegen, der pompös fleisch- und silikongewordenen Metapher auf die immer größer werdende Schere zwischen arm und reich, dem SemperOpernball. Ach nee, für mich gibt’s ja auch 2017 nur den SemperOpenairball, die Veranstaltung fürs Fußvolk. Nicht IN der Semperoper mit den Reichen und Schönen tanzen, sondern DAVOR. Die Macher nennen das „Eine Idee ist so einzigartig wie die Sache selbst“. Nu, genau! Unter freiem Himmel! ANFANG FEBRUAR! Wie genial.

15.000 Leute werden wieder auf dem Theaterplatz erwartet – ein Schelm, wer sich da an andere (montägliche) Open Air-Großveranstaltungen erinnert fühlt, die Dresden und besagten Platz weltweit bekannt gemacht haben. Aber wenn am Freitag das Licht und die MDR-Kameras auf dem Theaterplatz angehen, dann wird getanzt statt gestanden, gelacht statt gepöbelt und Feuerwerk gibt’s auch – und davon bekommen die Dresdner ja bekannterweise nie genug.

Ich mach‘ das jedes Jahr, bin also Profi in Sachen Ausrüstung, Fremdscham und gefährlichem Halbwissen. Im Folgenden möchte ich euch aufrufen, es mir gleich zu tun und folgende Tipps zu beachten:

1. Waaaarm anziehen (also echt jetzt)

„Für alle, die statt eleganter Abendgarderobe warme Winterkleidung bevorzugen, beginnt die Sause bereits um 18 Uhr,“ witzelte die DNN noch diese Woche. Ich antworte: Nein, wir können uns nur die 500 Tacken pro Karte nicht leisten. Deswegen heißt es: Zwiebel-Look, also viele Klamottenlagen tragen. Funktionskleidung, Stricksocken, von Oma geerbte Wollunterwäsche – alles übereinander. Die Februarnacht ist zornig und wir wollen ja das Freiluft-Programm wenigstens so lange überstehen, bis mit Gunter Emmerlich zumindest ein echter Promi gesungen hat. Und das wird lange, lange nach der DRK-Band und dem „Newcomer“ Wincent Weiss sein, der es bei Deutschland sucht den Superstar 2013 unter die besten 36 Teilnehmer geschafft hat.

2. Versorgung einpacken

Bemmen schmieren, Flachmann füllen und sicherheitshalber noch eine größere Thermoskanne kaufen, mit der man Glühwein am Mann/an der Frau haben kann. Es ist kein Geheimnis: Alkohol ist bei dieser Veranstaltung sehr wichtig. Zum einen vernebelt das ein oder andere Promillchen die schiefen Töne von der Bühne, dämpft schlechte Moderationen und ist Seelentröster, wenn man mit knapp 1,60 nur ab und an einen Blick auf den Roten Teppich erhaschen kann. Zum anderen ist das wärmste Jäckchen immer noch das Cognäckchen.

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3. Sich ein bisschen Klugscheißer-Wissen aneignen

Die Open Air-Show moderieren René Kindermann und Sarah von Neuburg. Da mag eurer Begleitung wohlmöglich ein uncharmantes „WEEEEER?????“ herausrutschen, aber ihr könnt selbstbewusst mit absolutem Auskennerwissen auftrumpfen. Kindermann hat mal Riverboat moderiert, so eine Talksendung fürs ältere Semester. Von Neuburg hat einmal was mit Marco Schreyl moderiert und via Morningshow in irgendeinem Radiosender morgens die hart arbeitende Bevölkerung aus dem Bett geschrien. Andere wichtige Fakten: Die Debütantinnen tanzen erstmals im zweifarbigen Kleid. Durch die Show führt „Shopping Queen“-Conférencier Guido Maria Kretschmer. Stargast ist die österreichische ESC-Gewinnerin Conchita Wurst. The more you know…

4. Ungefragt den St.-Georgs-Orden erklären

Die Verleihung des Schorsch’schen Ordens ist der unumstößliche Höhepunkt des Opernballs. Vorher noch Debütantinnen geglotzt und sich an Häppchen auf Etageren rund gegessen, schon sitzt man da und hört stundenlang Laudationen. Draußen können wir dann bibbernd den Mitbibbernden erzählen, dass der Preis eine Nachbildung des Anhängers „Heiliger Georg zu Pferde“ ist, der auch im Grünen Gewölbe hängt. Böse Zungen behaupten, die Auszeichnung gäbe es nur, weil sonst niemand zum Ball kommen würde. Oft gibt es fragwürdige Preisträger, z.B. Wladimir Putin (2009). Oder Til Schweiger (2011). Und auch in diesem Jahr freuen wir uns auf den Politprofi und Präsident Rumäniens Klaus Iohannes, der in Dresden erwartet wird, während es in Rumänien hoch her geht. Timing ist eben alles.

5. Einen guten Platz am Roten Teppich finden

Man kann ja über den Ball lästern wie man will, aber OpenAir ist man in hervorragender Gesellschaft – und das meine ich ganz ohne Ironie. Die besten Stehplätze sind zwischen den freundlichen Rentnern und den leicht beschwippsten Best-Agern. Diese Leute kennen sich mit der Super Illu aus und wissen genau, wer mit wem usw. Sie können Fragen beantworten wie „Sind die wieder zusammen?“ („Das ist nicht Natascha Ochsenknecht, die Neue sieht ihr nur sehr ähnlich“). Oder „Sieht Stanislaw Tillichs Frau nicht anders aus?“ („Die hat nur sehr abgenommen“). Und auch bei Personen, die man noch nie zuvor gesehen hat, wissen die Herrschaften um einen herum meist, um wen es sich handelt. Dazwischen gibts Klopfer und Selfies für die Enkel – es ist ganz zauberhaft.

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6. Mutmaßen

Nachdem wir das postfaktische Zeitalter durchschritten haben und nun alternativ-faktisch unterwegs sind, dürfen wir munkeln, orakeln und manchmal auch einfach behaupten. Am besten funktioniert das bei „Fakten“ über die Prominenz, die sich über das Rotgeknüpfte Richtung Operneingang schiebt. Ich fang also mal an: Gina-Lisa Lohfink wird in Begleitung von Alexander „Honey“ Keen (sind die jetzt ein Paar?) direkt aus dem australischen Dschungel nach Dresden eingeflogen. Peter Maffay ist geliftet. Matthias Sammer hatte noch nie Haare. Punkt.

8. Immer einen Schnaps trinken, wenn das Opernball-Lied vom Kaiser läuft

Es gab Jahre (z.B. 2016), da gab es mit Marco Schreyl und Roland Kaiser noch echte Stars auf der Bühne. Und ja, wir sind des Rolands „Bestes Publikum der Welt“ und ja, er ist unser Kaiser, aber dieses Lied, es ist… mit der Zange gestrickt. Also Haltung bewahren, durchstehen, einen Kurzen trinken.

9. Beim Feuerwerk Aaaaah und Oooooh rufen

Keine Veranstaltung in Dresden ohne Feuerwerk. Auch der Opernball lässt sich nicht lumpen und lässt es knallen. Und wir sollten das gebührend bejubeln.

10. Walzer tanzen

Auch draußen wird sich gedreht, natürlich nachdem man es gemeinsam ein wenig geübt hat, solange die Kameras noch nicht liefen. Aber keine Angst, wenn ihr da nicht aufpasst: Selbst unser Ministerpräsident tanzt keinen Walzer im Innern der Oper, sondern tippelt nur so ein bisschen hin und her. Das könnt ihr auch ohne Tanzschule. Und schwanken werden wir alles sowieso.

SemperOpenairball
Freitag, den 3. Februar 2017, ab 18 Uhr
MDR-Übertragung ab 21 Uhr
Theaterplatz Dresden
Der Eintritt ist frei.

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