Ein konsequentes Konzept – Gaststätte „Oma“

Die Gaststätte „Oma“ und der Weinkeller „Opa“ in Cotta gehören zusammen, wie man sich das von Eheleuten so vorstellt. Wir haben uns mal von Oma bekochen lassen.

Der Sommer holt in dieser zweiten Septemberwoche tief Luft und atmet wunderschöne, energiegeladene, warme Herbsttage aus. Grund genug, um noch einmal draußen zu sitzen und es sich gut gehen zu lassen, bevor man das Gutgehenlassen wieder hinter geschlossenen Türen zelebrieren muss. Und da wir es uns auf die Fahnen geschrieben haben, das kulinarische Dresden in vielen Ecken zu ergründen, zieht es uns heute nach Cotta. Da residiert die Gaststätte „Oma“, Seite an Seite mit dem Weinkeller „Opa“. Lustig, fanden wir, und machten uns auf den Weg auf die Cossebauder Straße.

Gaststätte Oma

An diesem Mittwochabend ist auch der Garten der Gaststätte gut gefüllt. Gut, dass wir reserviert haben, fast alle Tische sind besetzt. Es gibt eine Hollywoodschaukel und eine dekorativ gespannte Wäscheleine, die durch den kleinen Vorhof führt und an der sogar Wäsche hängt (natürlich auch die oblogatorischen Alt-Damen-Unterhosen). Der Garten ist gemütlich, obwohl die Straßenbahn direkt daran vorbei fährt. In einem guten Gespräch vergisst man das ja sowieso. Die sehr freundliche Bedienung empfiehlt uns einen sächsischen Wein und lässt uns die Karten da, in die wir neugierig hineinschauen.

Erster Eindruck: Hm. Keine Ahnung, was wir erwartet hatten, aber die Karte ist völlig vorhersehbar: Würzfleisch, Hackfleisch-Käse-Suppe, Forelle Müllerin Art, Sülze, Schnitzel, Königsberger Klopse. Also ganz genau die Gerichte, die einem in den Kopf schießen, wenn man an Omas Küche denkt. Wir entscheiden uns für ein Würzfleisch (muss ich sowieso überall bestellen, wo es auf der Karte steht) und eine Soljanka vorneweg. Und während der Wartezeit haben wir auch Gelegenheit, uns im Innern der Gaststätte etwas umzuschauen. Auch hier wieder ein berechenbares Ergebnis unserer Observation: Genau so stellt man sich Omas gute Stube vor! In die Jahre gekommene Sofas, umhäkelte Tischdeckchen, Tee-Kannen, diese Stehlampen, die gerade sehr hip sind. Sogar so ein etwas gruseliger Teddybär, den es in den Wohnzimmern entfernterer, in die Jahre gekommener Verwandter immer gibt, sitzt dort in der Ecke.

Unsere Vorspeisen sind dann ebenso solide: Die Soljanka… schmeckt nach Soljanka – lecker. Das Würzfleisch ist hausgemacht, nur ein bisschen fad. Allerdings finde ich drei knorpelige Hühnergebeinreste in meinem mit Käse überbackenen Töpfchen. Kennt man eventuell auch von Oma, aber das kleine Mädchen in mir beginnt hier zu mäkeln 😀 Im Anschluss mache ich mich über ein Schweinesteak mit Bratkartoffeln und Röstzwiebeln her. Das Steak ist zart, die Zwiebeln etwas unröstig, insgesamt eine recht fettige, also immerhin gut sättigende Sache. Alex, der Tolle, hat sich für Räucherlachs mit Kartoffelröstis und Ruccola entschieden. Auch ok, aber die Röstis sind verdächtig rund. Zu rund für Omas Kartoffelpufferform-Skills, wenn ihr versteht.

Fazit: Gaststätte Oma

Das Konzept „Essen wir bei Großmuttern“ ist hier in aller Konsequenz durchgesetzt. Völlig unaufgeregt kommen Speisen und Getränkekarte daher. Wer erwartet, dass gute Hausmannskost hier irgendwie aufgepeppt wird, wird enttäuscht sein. Mann kann das Ganze mutig finden, denn gegen den Satz „Zu Hause schmeckt’s am besten“ ankochen zu wollen, ist schon harter Tobak. Schließlich hat jede Familie ihr eigenes Rezept für Kartoffelsalat, Soljanka oder Gulasch. Die Gaststätte Oma findet hier einen Mittelweg, der von den Cottaern gut angenommen wird. Für mich lässt die Karte noch ein paar geschmorte, aufwändigere Gerichte vermissen. Am Ende des Abends sind wir satt, aber viel wird in unserem kulinarischen Gedächtnis von heute nicht hängenbleiben. Absoluter Pluspunkt: Fast alle Gerichte gibt es als große oder kleine Portion – für den großen Hunger oder die, die wieder mal „essen wie ein Spatz“ (hat meine Omi immer gesagt). Ein freundliches Restaurant zum Sattwerden. Mit verlässlicher Fan-Base, aber nichts für uns 🙂

Comments

comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

%d Bloggern gefällt das: