Die 10 besten Mexikaner der Neustadt: Der große Test

Mit dem Mexikaner verhält es sich ja bekanntlich wie mit Muttis Kartoffelsalat: Da hat jeder von Haus aus sein eigenes Rezept. Und natürlich beanspruchen zahlreiche Bars im Dresdner Kneipen- und Ausgehviertel Neustadt ebenfalls von sich, den besten Mexikaner zu mixen. Zeit also, sich dem einmal professionell zu nähern. Wir haben den Mexikaner in 10 Bars der Neustadt getestet.

Klingt erstmal wild, aber isses gar nicht: Ein Mexikaner-Test. Der ursprünglich aus einer Bar auf der Reeperbahn stammende Shot ist natürlich auch in Dresden mittlerweile Kult. Hergestellt aus einer klaren Spirituose (meist Vodka oder Korn), Tomatensaft, Sangrita, Tabascosauce, Salz und Pfeffer, sorgt er nicht nur für gute Laune, sondern ist auch so etwas wie eine kleine Zwischenmahlzeit. Ein Gute-Laune-Smoothie. Mediterrane Ernährung (Tomate!!!). Mittelmeerdiät quasi. Und äußerst lecker. Oder?

Ein waghalsiges (wahnsinniges?) Team von zehn Reckinnen und Recken ist vergangenen Samstagabend in die Dämmerung hinausgezogen, um herauszufinden, welcher denn nun wirklich der beste Mexikaner sei.
Die Tester und Testerinnen: Ein Potpourri an Ausgeh-Menschen, Studierenden und Werktätigen; einige haben Katzen, andere Kinder – ja, sogar Dynamo-Fans waren dabei. Mit so einer diversen Truppe wollten wir natürlich den breiten Dresdner Querschnitt repräsentieren. Mit Schulnoten gaben wir die Jury in den Kategorien „Geschmack“, „Konsistenz/Mundgefühl“, „Schärfe“ und „Location“. Insgesamt 100 Mexikaner später waren wir schlauer. Die erste Erkenntnis: Einen guten Mexikaner bekommt man an vielen Orten in der Neustadt, denn die Testergebnisse liegen eng beieinander. Trotzdem gibt es hier und da Besonderheiten – auch wenn sie fein sind. Hier sind die Ergebnisse samt Notendurchschnitt.

10. Little Creatures: Unaufdringlich

Auf den hinteren Plätzen reiht sich der Mexi aus dieser hübschen Kneipe ein. Der Feuer-Schnaps der „kleinen Kreaturen“ ist eigentlich nur süß, gar nicht scharf. Immerhin enthält er  „Worschestersauce“ (Dresdner Art), Punkte dafür gibt’s von den Würzfleisch-Fans. Ansonsten ist das eine sehr dünne Angelegenheit, es fehlt an vielem. Diejenigen unter uns, die es nicht sehr scharf mögen (und sich aus unerfindlichen Gründen trotzdem zum Mexikaner-Test gemeldet haben) nennen es: Unaufdringlich.

Gesamtnote: 3,52

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9. Horst Vier Vogel Bar: Kommt langsam

Auch nicht gut abgeschnitten hat der Shot in dieser doch recht angesagten Bar. Zunächst fällt auf: Das Ding ist stückig wie sächs’sche Kardoffelsubbe. „Ein bisschen lahm“ sagten die einen, „süffig und leicht“ die anderen – wobei letzteres vielleicht eher Parameter sind, die in Sachen Konter-Bier punkten. Immerhin: Das anfangs enttäuschende Schnäpschen kommt im Nachgang ein wenig aus sich heraus und brennt nach dem Schlucken leicht hervor. Pluspunkte gab’s für die Location.

Gesamtnote: 3,28

8. Pawlow: Wie Gott es wollte

Der Mexikaner in der wohl liebenswertesten Punkerkneipe der Welt war eine Überraschung. Schon beim Eingießen verriet uns der Bar-Mann, dass da kein Vodka drin sei, sonst hieße der Shot ja „Russe“ statt Mexikaner. Denjenigen von uns, die sich pubertierend schon an Tequila übertrunken hatten, schwante Böses. Und das Böse kam. Dieser Mexikaner hat einen besonderen Geruch, anders aber gut. Das Verhältnis an Schärfe, Säure und Salzigkeit ist ausgewogen, aber der Tequila gewöhnungsbedürftig. Alles in allem trotzdem noch die zweitbeste Note. Fazit einer Testperson: „Wenn wir ehrlich sind, ist der so, wie Gott wollte, dass Mexikaner ist.“ Amen.

Gesamtnote: 2,4

7. Blondes: Der Preissieger

In dieser urigen Bierkneipe mit toller Getränkekarte bekommt ihr den 4cl-Mexi für nur 1,50 €. Der mit Abstand billigste Scharfmacher des Abends. Fruchtig ist das gute Stück, scharf wird es durch Chili und einer relativ dominanten Pfeffernote. Die meisten von uns wünschten ihn sich noch ein wenig voluminöser. Trotzdem kann man in dieser Bar in toller Hafenatmosphäre einen Mexikaner in großartigem Preis-Leistungs-Verhältnis genießen.

Gesamtnote: 2,32

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6. Der Lude: Orangig-süß

Bevor wir hier den Mexikaner serviert bekamen, mussten wir erst einmal die Tanzstange ausprobieren: Sie hielt. Dann wurde uns ein orangig-süßlicher Chili-Tomaten-Shot hingestellt. Hier schmeckt man ordentlich Alkohol raus und eine lange Schärfe stellt sich in Mund und Hals. Auch fünf Minuten später spürt man ihn noch, während man sich an den Penissen und Vulven erfreut, die die Wand zieren. Fazit: „Solide, aber kein Grund zum heiraten“. Aber auch: 1a-Laden! Im Luden geht es sowieso nicht ums heiraten *hüstel*

Gesamtnote: 2,27

5. Atelier Schwarz: Der Ausgefallene

Viele Menschen schwören auf diesen Laden und seinen Mexikaner, deswegen konnten wir ihn nicht auslassen. Das Atelier Schwarz ist eine bunte Bar mit mexikanischem Essen und einem Kellergewölbe, das regelmäßig zum Tanz einlädt. Der Chef – selber Mexikaner – sitzt der Sage nach nachts des Öfteren am Tresen und trinkt das von ihm geschaffene Werk. Und ja, der Mexi hier ist schon etwas Besonderes: Limette, Orange und Tequila sorgen für einen unerwarteten Eindruck. Speziell und erinnerungswürdig, wenngleich nicht jedermanns Fall. Auf jeden Fall superfruchtig und einen Versuch wert.

Gesamtnote: 2,18

4. Madness: Das Beck’s unter den Meixkanern

Eigentlich der Überraschungserfolg des Abends, denn irgendwie hatten wir das Madness gar nicht so richtig auf dem Schirm. Zu unrecht übrigens, denn die schummrige Bar ist gemütlich, hat eine tolle Karte und wird immer von äußerst großartiger Musik bespielt. Zum scharfen Shot selbst bleibt zu sagen: superlecker. Er geht gut runter, hat eine angemessene Schärfe. Unterm Strich ein solides Produkt, „vertrauenserweckend“ wie ein Tester meint, genauso wie der Laden selbst. Im Madness findet ihr einen tollen Zwischendurch-Shot, quasi „das Beck’s unter den Mexikanern“ und ein Muss, wenn ihr zum Beispiel Gäste habt und ihnen die Neustadt zeigt.

Gesamtnote: 2,1

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3. Lebowskibar: Macht was her

Diese schlauchförmige Bar macht nicht nur den besten White Russian der Neustadt sondern auch einen außergewöhnlich tollen Mexikaner. Als wir den Barkeeper snacks-knabbernd über die Inhaltsstoffe des Mexikaners ausfragen wollen, schweigt er wie ein Grab. Na gut, wenn ich so einen leckeren Mexikaner mixen könnte, würde ich das Rezept vielleicht auch nicht verraten. Es gibt geeiste Gläser und Gebindegröße nach Wahl – und dafür von der Jury schonmal Herzchen auf’s Bewertungsblatt. Der Tomatenschnaps selbst ist ein schönes rundes Ding, schmackhaft, nicht zu sauer, recht pfeffrig und vollmundig. Spoiler: Der Geschmack ist verdächtig nah am Zille-Mexi, hier war vielleicht die Location das Zünglein an der Waage.

Gesamtnote:  1,95

2. Hotel de Botel: Prädikat schmackhaft

Hier rufen die Kellner schon hinter der Bar „WIR HABEN DEN BESTEN MEXIKANER“, wenn man nur vorbei läuft. Aber ok, ganz falsch liegen sie dabei nicht. Die HoDe-Bo-Variante des Shot-Klassikers hat wirklich Hand und Fuß, eine gute, elegante Schärfe und eine fast cremige Konsistenz. Hier bekommt ihr einen äußerst wohlschmeckenden Mexikaner, der Lust auf mehr macht. Ein absolutes Muss, wenn man sich billard-spielend im hinteren Teil der eher ruhigen Bar aufhält oder nur auf dem Weg vom Alaunpark zum Eck ist. Ein dickes Lob von der Jury, Prädikat: schmackhaft.

Gesamtnote: 1,87

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1. Zille: Absolute Empfehlung

And the winner is… eine äußerst schicke Tanzbar im Retro-Look mit hervorragender Gin-Karte und Tanzmusik, die den Dancefloor hinter dem Barraum wochenends ordentlich wackeln lässt. Hier passiert noch richtig viel im Mund: Man steigt fruchtig ein, mit flacher Schärfe und magenschonend wenig Säure, lässt den geschmeidigen Körper ein paar Sekunden vergnügt im Mund kreisen und freut sich dann über eine angenehme Schärfe. Eine gute Nummer, ein wenig teuer, aber rund und unsere absolute Empfehlung.

Gesamtnote: 1,85

 

PS: „Im Vergleich zu anderen Shots enthält der Mexikaner nur wenig Alkohol. Die Zubereitung nach Originalrezept ergibt (je nach Variante und verwendeter Spirituose) einen Alkoholgehalt zwischen 6 und 9 % vol. Für einen Doppelkorn (38 % vol.) kann man also etwa fünf gleich große Mexikaner trinken; zehn Mexikaner à 2 cl enthalten zusammen etwas weniger Alkohol als ein Glas Bier (0,33 l bei 5 % vol.).“ Quelle: Wikipedia!

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Fotos: Alexander Peitz

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