Interview mit Silvio Zschage: MDR Sachsen Morningshow Moderator

Interview mit Silvio Zschage: MDR Sachsen Morningshow Moderator

Silvio Zschage ist MDR Sachsen Morningshow Moderator und moderiert jeden Tag von Montag bis Freitag, von 5 bis 9 Uhr die Morningshow. So ist er nicht nur die Stimme von Dresden, sondern auch die Stimme von Sachsen. Ein spannender Beruf und ein spannender Mensch, den ich mir für ein Interview geschnappt habe und Euch näher vorstellen möchte. Hier sind 10 Fragen an Silvio Zschage.

 

Um welche Uhrzeit muss ein Morningshow Moderator denn aufstehen ?

Ich stehe normalerweise um 3:30 Uhr auf, versuche aber regelmäßig den Wecker nach hinten zu verstellen. Um 4 Uhr muss ich allerspätestens aus den Federn. Verschlafen habe ich bis auf einmal noch nie. Um 4:30 müssen wir vor Ort sein und um 5 Uhr beginnt die Sendung.

Wie bist Du zum Radio gekommen?

Das war damals sehr schwer. Ich war 16 Jahre alt und habe ein Praktikum beim MDR Sachsenspiegel gemacht und fand das so toll, dass ich im folgendem Jahr gleich nochmal ein Praktikum im MDR absolvierte. Aufgrund von Urlaubsnotstand konnte ich allerdings nicht ins Fernsehen, sondern musste in die Abteilung des Radios. Und dort bin ich dann hängengeblieben. Immer wenn ich konnte habe ich dann im MDR Radio Praktika gemacht, in den Sommerferien dort gearbeitet, mich allgemein viel dort engagiert. Irgendwann wurde mir dann eine freiberuflich Stelle angeboten, in der ich mich Schritt für Schritt immer weiter hochgearbeitet habe, bis mir schlussendlich die Stimme der Morningshow angeboten wurde.

Wie sieht ein typischer Tag eines Morningshow Moderators aus?

Aufstehen, Kaffee trinken, Schlafen gehen. Nein, Spaß! Bevor die Sendung um 5 Uhr losgeht, sind meine Kollegen und ich sehr produktiv, um die Ereignisse des letzten Tages und der letzten Nacht aufzuarbeiten. Von 5 – 9 Uhr senden wir und danach gibt es erstmal Frühstück, wobei das Frühstück meist ein halbes Mittagessen ist, je nachdem was es in der Kantine gibt. Gibt es Nudeln, dann essen wir Nudeln als Frühstück. Um 9:45 Uhr gibt es eine sehr harte Auswertung der Sendung mit den ganzen Chefs. Im Anschluss wird noch ein bisschen vorbereitet um ab 12 Uhr seinen Feierabend zu genießen. Dann gibt es was, dass hat man früher im Kindergarten gehasst, jetzt liebt man es. Den Mittagsschlaf. Und danach beginnt der Tag noch einmal neu. Ab 14 Uhr hat man dann frei und kann Freunde treffen, einkaufen gehen, Sport machen usw. Das ist wirklich klasse, weil man das Gefühl hat, das ein Tag wie zwei Tage ist. Gegen 22 und 23 Uhr gehe ich ins Bett. Das Schlafdefizit kommt meist am Wochenende durch.

Was macht ihr im Studio während den Songs?

Nur Spaß, Faxen und dumme Jungenstreiche. Nein, Spaß. Oft reden wir über private Dinge oder bereiten die nächste Moderation vor, schauen nochmal ob wir was ändern können und warten dann auf unseren Einsatz. Manchmal nehmen wir die privaten Dinge, wenn sie lustig sind, auch mit auf Sendung.

Welchen Song würdest Du spielen, wenn Du nur noch einen Song auf Dauerschleife spielen dürftest?

I did it my way – von Frank Sinatra. Weil das ein Lied ist, bei dem man merkt, dass er sein Weg gegangen ist, auch wenn ihn andere dafür kritisiert oder verabscheut haben. Das wäre genau mein Song, weil genauso lebe ich auch. Ich habe es so gemacht, wie ich das will.

Was magst Du an Dresden besonders?

An Dresden mag ich besonders, dass Alles sehr überschaubar ist. Auch wenn Dresden eine große Stadt ist, habe ich eine Neustadt die überschaubar ist und eine Altstadt die überschaubar ist. Das heißt ich kann durch die Altstadt laufen, ohne das ich eine Straßenbahn brauche und das gleiche gilt für die Neustadt. Außerdem gefällt mir die Vielfältigkeit der Architektur, von barocken Gebäuden bis hin zu neuen, modernen Bunkern ist alles dabei. Gerne hätte ich das Dresden vor der Zerstörung kennengelernt. Meine Oma sagte immer, dass das alte Dresden wie ein kleines Venedig war, mit all seinen niedlichen Gassen.

Was magst Du an Dresden nicht?

An Dresden mag ich nicht, dass Abends teilweise sehr wenig bis gar nichts los ist. In der Altstadt werden Abends die Bordsteine hochgeklappt. Das ist wirklich schade. Man hat hier das Gefühl, dass das Leben um 22 Uhr in Dresden endet und erst wieder gegen 6 Uhr erwacht. Wenn man Freunde fragt, was am Wochenende geht, erhält man oft die Antwort: Nichts. Die Partyszene in Dresden könnte wesentlich besser funktionieren. Da denkt man sich oft: Dann fahre ich eben nach Berlin. Aber vielleicht macht das Dresden auch wiederum aus. Fluch und Segen zugleich.

Was ist Dein Lieblingsort in Dresden? Wo verbringst du gerne Deine Zeit?

Im Sommer – an der Elbe. Dort fahre ich gerne Rad. Ich finde das total genial. Kopfhörer rein und einfach losfahren. Oft setzte ich mich auch einfach mit einem Buch an die Elbe. Im Winter – ist es tatsächlich ein bisschen schwer einen Lieblingsort zu benennen, weil man nicht so viel rausgehen. Im Winter mache ich viel Sport, weshalb mein Lieblingsort wohl das Fitnessstudio ist.

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Du warst letzte Woche beim Semperopern Ball in Dresden. Wie hat es Dir gefallen?

Es ist schwer, weil es für mich jetzt schon der 12. Ball von 13. war. Die Innovation fehlt ein bisschen. Es wird über Stars versucht Aufmerksamkeit und Internationalität herzustellen, was ich ziemlich anstrengend und schade finde, weil die Preisträger meist auch keinen wirklichen Bezug zu Dresden haben. Besser würde ich es finden, wenn man auch Dresdner, zum Beispiel die Trümmerfrauen, zum Semperopern Ball prämiert. Das fände ich schöner und auch emotionaler, als wenn man einfach eine Filmgröße prämiert, nur damit man eine Filmgröße prämiert und mit ihr werben kann. Schön finde ich, wie sich die Menschen dafür schön machen. Das sieht man den Menschen auch manchmal an, dass es nicht unbedingt ihr Ding ist sich schön zu machen, aber für den einen Abend geben sie sich echt Mühe. Und das ist klasse! Generell finde ich es auch schön, dass wir eine Veranstaltung wie den Semperopern Ball in Dresden haben.

Wo siehst Du die Zukunft des Radios?

Vor 10 Jahren hat mir einmal jemand prophezeit, dass es das Radio in 10 Jahren nicht mehr geben wird. Und siehe da, es gibt das Radio immer noch. Und so sehe ich das auch für die noch kommende Zukunft des Radios.

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