Hurra, offen! – der neue alte Kulti ist zum Liebhaben

Offen! Er ist offen! Und irgendwie hat am Ende doch noch alles geklappt. Der „Kulti“ erstrahlt im neuen Glanz. Wir waren mit dabei und haben den neuen Kulturpalast mal auf uns wirken lassen.

Hui, das war eine Fete! Nach dem ganzen Bangen der letzten Wochen, dem ewigen Zweifeln, ob er termingerecht fertig würde oder nicht, tat diese Eröffnungsfeier wirklich gut. Draußen: Roter Tepppich, Bürgerfest mit Schlagerbegleitung sowie Visual- und Lichtshow. Drinnen: Philharmonie, philharmonischer Chor, Solisten. Das hatte schonmal sowieso alles, was man sich von einer gelungenen Eröffnung erhofft.

1969 hatte der Kulturpalast ja schonmal Eröffnung. Schnittig sozialistisch trohnte er da an der Wilsdruffer. Mit dem (immer noch erhaltenen) Wandbild „Der Weg der roten Fahne“ außen und der wunderschönen Illustration des DDR-Alltags innen – an der Wand und auch live. Naja und über die Akustik wurde eigentlich immer nur gemeckert. Was ist daraus geworden? Alles neu? Oder Altes neu interpretiert? Schauen wir mal.

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Wir huschen gegen 18 Uhr völlig aufgeregt ins noch neu riechende Foyer. Hell ist es! Der Kulturpalast ist in Richtung Altmarkt quasi vollverglast. Kannste reingucken, kannste rausgucken und die Sonne scheint (wenn sie scheint) innen auch. Schön ist das, denn der Kulti macht so wirklich ’ne Menge mehr her. Die Zentralbibliothek, die neuerdings das Haus bewohnt, ist auch von außen zu sehen. Das wirkt offen, schlau und bewegt – einfach freundlicher als die alten gold-braun reflektierenden Scheiben.

Auch von innen strahlt’s: Weiß, hell, naja, die korallenfarbenen Teppiche sind eben Geschmackssache. Aber um die geht es ja erstmal gar nicht. Sondern es geht um den neuen Konzertsaal. Punkt 19 Uhr müssen wir auf unseren Plätzen sitzen, denn dann beginnt der Livestream und der soll perfekt aussehen. Bis dahin trinken wir rosa Prosecco, der macht schon automatisch verliebt. Das Betreten des Saales kurz vor 7 ist dann auch wirklich ein Wow-Moment. Wer sich noch an den alten Saal erinnert, der frontal und uncharmant auf eine Bühne zu lief, dürfte beim Anblick der neuen Heimat der Philharmonie schwer begeistert sein. Die Ränge sind in der berühmten Weinberg-Architektur entstanden, die beste Akustik auf allen Plätzen verspricht. An der Decke hängen Segel zum akustischen Nachjustieren vor der noch nicht bespielbaren, aber schon völlig allmächtigen  Orgel. Die Philharmoniker sitzen ein wenig nach hinten eingerückt, nicht im Zentrum des Raumes, aber irgendwie trotzdem mittendrin. Man hat das Gefühl alles geht in einander über, alles ist eins. Als die ersten Töne von Schostakowitschs „Festlichen Ouvertüre“ erklingen, stellen sich die Härchen auf unseren Armen auf. Gänsehaut! Die Atmosphäre in dem ovalen Saal verdichtet sich. Ein geschmeidiger, warmer, dicker Wollschal schlingt sich um die 1.750 orange-bespannten Stühle und drückt Orchester und Publikum noch fester aneinander, hält sie eng zusammen.

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Im Nachhinein wird zu lesen sein, dass die Akustik in den Rängen am klarsten ist. Kann sein, aber wir sind auch im Parkett nachhaltig begeistert. An diesem Abend hören wir noch Felix Mendelssohn Bartholdy,  Franz Schubert und Beethovens 9. mit der „Ode an die Freude“ – geil! Für Reden scheint der Saal allerdings nicht gemacht zu sein, da kommt ganz wenig bei uns an. Nicht schlimm, denn soooo spannend sind die nicht. Wolfgang Schäuble ist mega gut drauf und basht Social Media. Ansonsten arbeiten sich die meisten Festreden am Thema „Das analoge Buch und dessen Stellenwert für die Gesellschaft“ ab. Hm ja, ein wenig uninspiriert vielleicht. Trotzdem ist die neue Bibo natürlich ein echter Schatz geworden (mit Couch in Drachen-Form in der Kinderlese-Ecke!!!!). Sie belebt das Haus auch tagsüber und zwar wild, vielfältig und hoffentlich, hoffentlich laut!

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Beim ans Konzert anschließenden Empfang des Oberbürgermeisters hat man dann noch genügend Zeit, das Haus schlendernd zu erkunden. Die Party ist sowieso nach meinem Geschmack, denn es gibt einen Eierlikörempfang, Samba und Gurkenhäppchen mit irgendeiner Créme. Man findet heraus, dass wichtige Leute im Fernsehen viel größer aussehen, als sie in Wirklichkeit sind und kann zählen, welcher Politiker die meisten/schönsten/bestangezogensten Sicherheitsmänner hat. Und erwähnte ich schon den rosa Prosecco?

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Fazit: Schön war’s und schön wird’s. Denn auch die Herkuleskeule hat eine neue Heimat im Kulti gefunden. Gespannt bin ich vor allem auf das Restaurant, ein Ableger der Schmidt’s aus Hellerau (coming soon). Und wenn man sich das Programm der nächsten Monate anschaut, will man eigentlich ständig in der neuen Event-Location abhängen. Ich werde leicht nervös, weil ich nicht weiß, wie ich an die  Tickets oder auch nur das nötige Kleingeld dazu kommen soll:

Im Mai ist Max Raabe mit seinem neuen Programm vor Ort – ausverkauft. Am 4. Juni ist Bill Murray (ja, DER Bill Murray) im Rahmen der Musikfestspiele zu Gast – ausverkauft! Generell sind die Musikfestspiele fast ausverkauft. Diese Woche kommt nun erstmal der – UNSER – Kaiser (der Roland). Das könnte man, wär man fies, auch ganz spitzfindig als die WIKRLICH OFFIZIELLE Eröffnung des Dresdner Kultis bezeichnen (interessiert uns aber nicht, ist schließlich eh AUSVERKAUFT). Aber fies sind wir nicht, sondern stolz auf den alten, neuen Klotz (der passenderweise auch noch zwischen Neu- und Altmarkt liegt). Hurra, endlich offen!

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