Hip Hop Open Mic: Und jetzt bitte DAENSN!

Vier Musikstudenten veranstalten einmal monatlich einen Impro-Gig mit offenem Mikro für Rap. Das ist wild! Und fantastisch!

Schon als die Band die Bühne betritt und zu spielen beginnt, ist der Laden gut gefüllt. Beachtenswert ist, dass die Besucher sofort nach vorne drängen, sobald die ersten Töne erklingen. Kein Abwarten, kein Warmtrinken, kein „ihr könnt ruhig ein bisschen Näherkommen“ der Band – sondern von Anfang an Konzertatmosphäre, Stimmung und Körper, die zur Musik mitwippen.

Das Mitwippen ist sowieso Programm an diesen Mittwochabenden, wie heute einer ist. Denn die Band, die dort auf der Bühne steht heißt DAENSN. Ihr wisst schon, wie „Dancen“ halt, dieser schöne halb englische, halb deutsche Begriff. Und einen Sänger oder eine Sängerin hat die Kombo nicht. Dafür ein „offenes Mikro“, wie schon der Titel des Abends verrät: „Hip Hop Open Mic“. Die Rapper kommen aus dem Publikum und texten aus dem Stegreif. DAENSN bereitet dazu den musikalischen Rahmen mit Schlagzeug, Keyboard, Bass und Gitarre.

Nach dem Intro der Band geht es steil. Ein Mutiger nach dem anderen betritt die Bühne unter dem roten Licht der Zille, greift zum Mikro, freestylet hinein. Es wird schnell warm und laut – genau das, was man in diesem garstigen Dezember braucht. Das völlig diverse Publikum honoriert jeden Rap-Beitrag dabei-sein-ist-alles-mäßig, unabhängig davon wie gut oder schlecht er ist. Das ist wild, durcheinander, mal verrückt, mal laienhaft, oft beeindruckend und alles in allem unglaublich unterhaltsam.

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DAENSN, das sind Jannik, Gustav, Valentin und Simeon. Die vier lernen sich vor zwei Jahren im Ostpol bei einer Jam Session kennen. Alle studieren Musik an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und sind sich schnell einig, dass sie einen gemeinsamen, regelmäßigen Impro-Gig mit offenem Mikro etablieren wollen. Eine Open Mic-Veranstaltung mit Liveband statt DJ – das gibt es in Dresden noch nicht. In der Zille, der kleinen Tanzbar in der Görlitzer Straße, finden sie ihre erste Bühne und beginnen, die Werbetrommel zu rühren. Sie posten in einschlägige Facebookgruppen, schreiben Rapper persönlich an, versenden Einladungen. Zur ersten Show kommen um die 100 Leute, danach ist die Veranstaltung ein Selbstläufer.

Und das ist kein Wunder. Natürlich sind die Sets von hoher Qualität; Musikstudenten eben. Aber die vier haben auch ein Gespür für den Raum und die Menschen darin. DAENSN versuchen zwar in den rein improvisierten Shows Hip Hop-freundliche Musik zu spielen, aber der Musikstil, der im Endeffekt aus den Boxen klingt, hängt immer von der Stimmung ab. „Es ist wichtig, dass es nach vorne geht und die Leute erreicht,“ sagt Gustav. Dabei kann es zu Parts kommen, die nach Drum’n’Bass klingen, die jazzig sind oder an Reggae erinnern, z.B. wenn ein rappender Stammgast ans Mic tritt, dessen Vorliebe für diesen Musikstil bekannt ist.

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Die vier jungen Männer auf der Stage selbst sprechen von einem „Qualitätsgefälle“ ihrer vorübergehenden Bühnenmitstreiter. Ein Gefälle, dass hier Konzept ist und sehr viel Spaß macht. Klar, die Veranstaltung lebt von den Rappern, erzählt mir die Band im Vorgespräch. Zu ihren drei Sets zu etwa 45 Minuten besteigen manchmal mehr als zehn Menschen mit Passion für Sprechgesang abwechselnd die Bühne und geben zum Besten, was sie können.

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Man ist fasziniert, wie gut das alles zusammengeht. Wie gut sich die Band immer wieder auf die wechselnden Rapper einstellt, wie qualitativ das Ergebnis klingt, wie berauschend die Atmosphäre ist. Zum Ende jedes Abends schließen 15 Minuten „handgemachter“ Techno die Veranstaltung ab – natürlich ohne Rap. Dann heißt es nochmal richtig „dancen“ oder DAENSN, bevor man sich verschwitzt und müde und glücklich nach Hause schleppt.

Das Hip Hop Open Mic mit DAENSN ist eine unterhaltsame, unglaublich tanzbare Veranstaltungen mit viel Talent und vielen Spannungskurven. Ab 31. Januar könnt ihr sie in der GrooveStation, ihrer neuen Heimat, erleben. Geht hin, es ist fantastisch!

Fotos: Alexander Peitz

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