Eine Altstadtoase weniger

Es ist zum Heulen. Da hatte ich nun zwischen Einkaufsgalerie-Schnellküchen und Kneipenmeile eine kleine Oase der Ruhe und des kulturvollen Wohlgeschmacks gefunden – und was ist nun? Weg. Das Erdgeschoss Kaffeekultur in der Wallstraße ist nicht mehr. Ende Juli schon haben die Betreiber den Laden von einem Tag auf den anderen leer geräumt. Dabei hatten sie am Tag zuvor noch leckeren Stachelbeer-Käsekuchen auf Facebook angepriesen.

Wie der Blitz aus heiterem Himmel traf mich dann die Nachricht eines befreundeten Musikers (die Musikhochschule gehörte zu den besten Kunden im Erdgeschoss), dass der Laden offenbar schließt. Also ging ich mich selbst davon überzeugen. Und siehe da: An nur einem Vormittag war das Café ausgeräumt, auch die gemütlichen Café-Tische auf der Wallstraße sind nun verschwunden. Was bleibt, ist das pink prangende Schild über der gläsernen Eingangstür. Ansonsten gähnende Leere.

Erdgeschoss Kaffeekultur in Dresden

Das Erdgeschoss Kaffeekultur ist leer.

Ich trauere. Mindestens zweimal in der Woche. Mir fehlen die Mittagspausen mit der Suppe des Tages und Mangoquark in der Sonne. Mir fehlt das freundliche Gespräch mit dem Kellner. Mir fehlen leckere Kaffeekombinationen – und die sündhaft leckeren Schokomuffins mit flüssigem Kern. Und mir fehlen die inzwischen schon gar nicht mehr so unverhofften Treffen mit Dozenten und Studenten der Dresdner Musikhochschule, ein kurzes Gespräch, der Hinweis auf das nächste Konzertprojekt.

Erdgeschoss Kaffeekultur Dresden

Kein Kaffee in der Sonne mehr!

Eine Erklärung für die Schließung blieben die ehemaligen Café-Chefs ihren treuen Stammkunden bislang schuldig. Zahlreiche Anfragen auf der Facebookseite warten noch auf eine Antwort. Einige davon wurden bereits schon wieder gelöscht. „Erdgeschoss, wo seid ihr?“, schreiben ehemalige Kunden. Doch das Verschwinden bleibt ein Rätsel, ein trauriges für Dresdns Innenstadtkaffeekultur.

Comments

comments

5 Kommentare

  1. Manja Branß sagt:

    🙁

  2. Sandra sagt:

    Ich weiß, dass die Besitzerin schwanger war/ist. Vielleicht war die Belastung einfach zu groß.

    1. Franka Pohl sagt:

      Soweit wir informiert sind, sind finazielle Gründe ausschlaggebend gewesen. Die Mieten sind gestiegen. Dadurch konnte sich der Laden nicht mehr halten …

  3. Es war mein Lieblingscafe in der Innenstadt, wenn ich in Dresden verweilte. Bei meiner Reiseplanung bin ich darauf aufmerksam geworden, dass ich über mein Facebook-Abo schon lange keine Info´s mehr bekommen habe und bin nun auf der Suche auf diesen Blog hier gestossen. Das ist natürlich sehr schade, keine „Kaffeekultur“ mehr besuchen zu können. Habt Ihr denn in der zwischenzeit eine Alternative gefunden? Sonnige Grüsse von Mallorca und auf Bald in Dresden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

%d Bloggern gefällt das: