Kurzurlaub mit Schauwerten – Ein Spaziergang durch Laubegast

Ich bin immer wieder erstaunt, wie groß Dresden doch ist. Von der Altstadt fahren wir mit der Straßenbahn an diesem sonnigen, aber schon recht frischen Sonntag ungefähr eine halbe Stunde nach Laubegast. Laubegast im Ortsamtsbereich Leuben, war einst ein Fischerdorf, wurde in den 20ern eingemeindet, kann sich aber bis heute seinen Dorf-Charme erhalten. Wenn man hier durch die Straßen zwischen den geschniegelten Häusern entlang spaziert, ist es ein bisschen wie im Urlaub. Und den brauchen wir gerade wirklich!

Das Dorf in Dresden

dav

Architektonisch ist Laubegast schon mal echt der Knaller. Gut erhaltenen Bauernhäuser und Villen der Gründerzeit wechseln sich ab und man kann sich kaum satt sehen. Der gold-beschopfte Herbst kann sich hier in seiner breiten Eitelkeit die Gassen entlang räkeln. Gerade jetzt wuchert der Wein an Mauern hoch, wächst wilder Hopfen über Gartenzäune und hängen Quitten in so erreichbarer Höhe, dass ein 1,82m großer Robert sie mit einem wagemutigen Sprung erreichen kann. Es ist still hier, auf eine angenehme Art bunt, friedlich! Wie gemütlich dieser Ortsteil ist, kann man auch an der sehr hohen Katzendichte ablesen. Die Schmusetiger dösen überall in der Herbstsonne, besetzen Bänke oder machen sich auf Fensterbrettern breit. Wenn man sie am Kopf streichelt, dann schnurren sie.

dav

Der Schriftsteller Max Bewer schrieb um die vorletzte Jahrhundertwende das Lied „Mein Laubegast“, indem es heißt: „Ich weiß ein Dörfchen klein und fein, gleich an der Elbe Strand, voll Vogelsang und Sonnenschein, ein wahres Blumenland …“ – und siehe da, auch die Blumen sind erhalten geblieben. Kaum ein Dresdner Völkchen bepflanzt wohl seine Gärten und Fenstersimse, seine Balkone und Blumenkübel so farbenfroh und üppig wie die Laubegaster. Überal blüht und summt und duftet es. Die besagten Schmusetiger stecken ihre Nasen in die großen Blüten.

Für den kleinen und großen Hunger

 

dav

Auch gut: An jeder Ecke gibt es Eis und kleine Gastronomien. Vor allem am Elberadweg reihen sich Cafés an schüchterne Gastättchen, die im Sommer von touristischen Radlern bevölkert werden und jetzt schon fast ein wenig verschlafen sind. Und weil es September ist, trinken wir natürlich Federweißer. In Sommers Wirtshaus, die Schankwirtschaft im Volkshaus Laubegast beginnen wir unsere Naschtour. Zum noch sehr süßen Neuen Wein kann man hier einen feinen Flammkuchen genießen. Teilt ihn am besten (den Flammkuchen, bloß nicht dein Wein!!!), denn ihr braucht noch ein wenig Platz im Bauch. Es gibt noch mehr zu probieren.

dav

Ein paar Schritte weiter hat die Traditionsbäckerei Siemank ihre Glastüren weit offen stehen. Über 150 Jahre schon wird hier gebacken und in den letzten Jahren hat man sich insbesondere der Nachhaltigkeit gewidmet. „Enkelfreundlich“ nennt man das hier und ich bin ganz gerührt. Ein eigenwilliges typisches Produkt: Die Laubegaster Bierstange – ein dunkles Brotgebäck mit Kümmel, Käse, Kräutern, Speck. Sehr herzhaft. Mit einem Kaffee to go. Wandern wir dann hinunter zur Elbe, die in Laubegast überall nah ist. Am teils gepflasterten Ufer sitzen wir und zählen durch, wie viele verschiedene Pflanzen wir entdecken und schauen den Enten beim Schnattern zu. Ein wenig entfernt, aber gut zu sehen, thront der Fernsehturm an der gegenüberliegenden Flussseite.

Würzfleisch an fast jeder Ecke

dav

Und noch eine Sache macht Laubegast: Fast überall gibt es Würzfleisch. Also Würzi. Der ein oder andere wird es als Ragout Fin kennen. Oder als Rahgufeng! Nur echt mit Zitronenecke, diagonal geschnittenem Toast und Worschestersoße! Da wird nicht gescherzt. Da muss man real bleiben. Wir kehren im Fährhaus Hesse ein, das seit fünf Generationen im Besitz der selben Familie ist, um diesem besonderen Gaumenschmaus zu frönen. Haltet euch fest: Diese Gaststätte hat den ganzen Sommer über Bowle!

mde

Wir hauen uns hier ein Würzi rein, bevor es uns zum Abschluss des Nachmittags ins „Gerücht“ verschlägt. Die Kneipe „Zum Gerücht“ schenkt die Biere der Laubegaster Hausbrauerei aus und ist eine Institution. Auch am Sonntagabend ist es hier gut gefüllt und muggelich warm unter den tiefen Decken zwischen den Holzbänken und den mit Kerzenlicht erleuchteten Sitzecken. Nach zwei, drei roten Festbieren hat man so viele Wärme im Körper, dass man den kühlen Weg zur Haltestelle antreten kann. Ein Besuch in Laubegast ist ein Kurzurlaub, den sich jeder Dresdner ab und an gönnen sollte.

IMG-20170910-WA0020-01

Comments

comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

%d Bloggern gefällt das: