Drehort Dresden

Sachsen spielt mit im Filmbusiness und hat sich damit schon einen guten Bekanntheitsgrad erarbeitet. In der Hauptrolle, Nebenrolle oder als Double: Görlitz mimt Heidelberg, Leipzig agiert als Paris, die Sächsische Schweiz wird kurzerhand zu Hawaii und Dresden ist plötzlich Kopenhagen. In der sächsischen Hauptstadt ist man mehr gewohnt, der große Star ist aber Görliwood. Beim Thema Filmkulisse bleibt Dresden der Underdog. Programm- statt Multiplex-Kino.

Ganz klar, Fans des Dresdner Tatorts erkennen Drehorte und wundern sich schon mal über geographische Ungereimtheiten. Doch wo kann der geneigte Cineast und Dresden Fan die Stadt als Filmtourist entdecken? Wir nehmen euch mit auf unsere Reise durch die eigene kleine Traumfabrik.

Als Filmtouristen starten wir mit Spielfilmen der DEFA in den 60er Jahren. Schon das Filmunternehmen der DDR drehte an uns bekannten Plätzen und Straßen.

Geliebte weiße Maus – Die Liebesgeschichte der Protagonisten Fritz und Helene startet auf dem Körnerplatz, auf dem und um den herum die Musicalkömodie aus dem Jahr 1964 zum großen Teil auch gedreht wurde. Das heutige Kaffee Wippler am Körnerplatz diente für Außenaufnahmen als Standesamt. Dort könnt ihr heute noch euren Kaffee trinken. Anders als im ehemaligen Café Borsberg, ein weiterer Schauplatz auf der Borsbergstraße 31-33. Heute befinden sich dort ein Drogeriemarkt und ein Eiscafé.

Das Kaffee Wippler mimt ein Standesamt

Das Kaffee Wippler mimt ein Standesamt

Wenn du groß bist, lieber Adam – Eine Filmkomödie der DEFA über eine Taschenlampe, deren Licht Lügner zum Schweben bringt. 1965/66 in Dresden gedreht, wurde der noch nicht fertiggestellte Film verboten, eingelagert und kritische Dialogstellen aus den Tonbändern entfernt. Bei seiner Rekonstruktion 1989 ersetzte man diese durch Einblendungen des Drehbuchtextes. Der junge Protagonist Adam lebt mit seinem Vater in Dresden. In Außenaufnahmen erkennt man so zum Beispiel das Blaue Wunder, den Schlossplatz, das Terrassenufer oder den Altmarkt.

Meines Vaters Straßenbahn – Der 1980 zuerst ausgestrahlte, zweiteilige DDR Fernsehfilm zeichnet den Lebensweg eines Straßenbahnschaffners aus der Sicht seines Sohnes vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg. Der damit in den 40er Jahren angelegte Zeitraum zeigt somit auch Szenen eines zerstörten sowie eines im Wiederaufbau befindlichen Dresdens. Während die Titelsequenz den klassischen Blick auf die Altstadt von der Augustusbrücke aus erkennen lässt oder die junge Familie später über das Blaue Wunder spaziert, so nehmen einen die alten Straßenbahnwagen immer wieder auch mit, auf die Reise durch weniger bekannte Straßen.

Kultur im Fernsehen

Kultur im Fernsehen

Fahrschule – Am Fürstenzug herrscht noch Halteverbot, aber Wartburg und Trabant passieren die Augustusstraße in hohen Tempo, wo heute nur noch Fußgänger flanieren. Überhaupt handelt die DEFA-Komödie von einem passionierten Fußgänger, der eher unfreiwillig zu Auto und damit zwangsläufig zum Führerschein kommt. Der Film wurde auf Dresdens Straßen gedreht. Schnell erkennt man die wenig befahrene Bautzner Straße oder die Hauptstraße, damals Straße der Befreiung, in der Neustadt. Aber auch Innenaufnahmen in der Semperoper haben ihren Platz im Quasi-Roadmovie gefunden.

Durchfahrt nur im Film nicht verboten

Durchfahrt nur im Film nicht verboten

Mit der deutschen Wiedervereinigung stieg das Spektrum der produzierten Spielfilme auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Der deutsche Film ist Teil der internationalen Filmkultur, so war auch Dresden ab und an Schauplatz ausländischer Filmproduktionen. Im Oscar nominierten Historienfilm „Die Königin und der Leibarzt“ aus dem Jahr 2012 zum Beispiel war Dresden wichtiger Drehort für das Setting des dänischen Streifens. Der Zwinger steht dort aber in Kopenhagen. Ganz großes Kino wird hauptsächlich mit deutschen Formaten gemacht.

Schattensucher – Der autobiographische Spielfilm von 1994 dokumentiert die Suche eines Jungen, der mit der Straßenbahn durch Dresden fährt und sich dabei auf Spurensuche begibt, um Orte und Personen seiner Kindheit aufzusuchen. Der Schillerplatz und Loschwitz geben Anlass zum Erinnern.

Der Rote Kakadu – Das deutsche Liebesdrama aus dem Jahr 2006 erzählt vor dem Hintergrund des Mauerbaus von der Geschichte eines Jugendlichen, der aus der Provinz nach Dresden kommt. Verstrickt in eine Dreiergeschichte trifft man sich zu wilden Partys im Roten Kakadu. Drehort, das Parkhotel Weißer Hirsch, spielt eine zentrale Rolle. Der Film wurde hauptsächlich in Dresden gedreht, am Blauen Wunder, im Großen Garten, im Straßenbahnhof Bühlau oder dem Bahnhof Plauen, der im Film als Grenzübergang der DDR fungiert.

Ein gern gesehener Gast im Film

Ein gern gesehener Gast im Film

Dresden – das Inferno – Selbstredend, wo Dresden drauf steht, muss auch Dresden drin sein. Gedreht wurde in der Neustadt, z.B. auf der Lößnitzstraße und am Bahnhof. Andere Szenen zeigen den Fürstenzug und Theaterplatz. Das Drama aus dem Jahr 2006 verknüpft die geschichtlich belegte Bombardierung der Stadt mit einer fiktiven Liebesgeschichte. Die Luftangriffe auf Dresden wurden in Studios in Chemnitz, Leipzig und Köln nachempfunden.

Der Turm – Der zweiteilige deutsche Fernsehfilm von 2012 nach dem gleichnamigen Roman von Uwe Tellkamp stellt eine Familie des Dresdner Bildungsbürgertums in den 80er Jahren in den Mittelpunkt. Der Großteil des Films spielt in geschlossenen Räumen. Trotzdem, mit den Außenaufnahmen wurden ein kurzes Panorama über Dresdens Türme und in der Anfangsszene eine Fahrt mit der Standseilbahn mit Blick auf die Loschwitzer Brücke bedacht.

Ein schöner Ort - vor und hinter der Kamera

Ein schöner Ort – vor und hinter der Kamera

Errors of the Human Body – An einen ganz anderen Ort entführt uns der deutsche Wissenschaftsthriller aus dem Jahr 2012. Ein Forscher, besessen davon eine Heilung für die Krankheit seines Sohnes zu finden, wird an das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik berufen. Nicht nur spannend zu sehen, für die, die den Ort gut kennen. Da der Film komplett in Dresden gedreht wurde, sind Außenaufnahmen bekannterer Locations wie die Dresdner Elbauen oder der Bahnhof Dresden-Neustadt ebenso interessant.

Ein mystischer Ort für Thriller

Ein mystischer Ort für Thriller

The Grand Budapest Hotel – Die vielfach ausgezeichnete deutsch-US-amerikanische Tragikomödie aus dem Jahr 2014 ist wohl der größte Wurf für die Filmkulisse Dresden. Die Abenteuer eines Concierge in einem berühmten Hotel und seines Protegés wurden unter anderem am Fürstenzug, der Sempergalerie, im Zwinger sowie in Pfunds Molkerei in der Neustadt gedreht. Die handbemalten Fliesen der Pfunds Molkerei waren Kulisse für eine Konditorei im Film. Der Zwinger wandelt sich im Film zu einem Kunstmuseum.

Schubert in Love – Im ersten Kinofilm des Dresdner Komikers Olaf Schubert begibt sich dieser auf die Suche nach einer geeigneten Frau für seine Kinder, denn der dominante Vater fordert endlich Enkel. Außenaufnahmen entstanden 2015 vorwiegend in der Neustadt, z.B. auf der Böhmischen Straße, der Schönfelder Straße, einem Hinterhof der Prießnitzstraße, im Café Laika oder dem Bio-Laden Grüntal auf der Kamenzer Straße. Außerhalb davon wurde auch am Hygienemuseum oder dem Blauen Wunder gedreht.

Bewegte statt bunter Bilder

Bewegte statt bunter Bilder

Die Suche nach Filmorten hat ihren Reiz. Nicht nur, dass man damit auch mal abseits der üblichen Touristenpfade unterwegs ist, auch werden scheinbar unbedeutende Orte zu Sehenswürdigkeiten. Wir wünschen viel Spaß beim Filme schauen und Drehorte entdecken!

Katharina

Die Wurzeln im Harz, in Hamburg das Herz, für Dresden eine Schwäche! Ich bin Katharina und studiere seit 2013 im medialen Bereich. Deshalb freue ich mich sehr darüber, mein Praxissemester bei Typisch Dresden verbringen zu dürfen. Seit einem Wochenende in Dresden weiß ich: Diese Stadt wird eindeutig unterschätzt!

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