Krach-Idyll im Dresdner Westen – Beatpol

Der Tourstop der Antilopen Gang in Dresden war ein willkommener Grund für uns, einmal wieder den Beatpol zu besuchen. Wie immer ein pittoreskes Punkrock-Abenteuer.

Das Abenteuer beginnt schon, wenn man versucht, den Beatpol zu finden. Man steigt an der Gottfried-Keller-Straße aus der Bahn oder an der Schunckstraße aus dem Bus, ähm, und dann? Ich habe diese außergewöhnliche Konzertlocation im Dresdner Westen schon so oft besucht und finde mich immer noch nicht hin, wenn ich alleine unterwegs bin. Also am besten den coolen Kids nachlaufen, die mit mir ebenfalls ausgestiegen sind. Die wissen schon, wo es lang geht.

An diesem Freitag Abend holt mich die Antilopen Gang wieder mal nach Briesnitz, Dresden Cotta. Der  Weg Richtung Beatpol führt heute durch strömenden Regen und wie immer vorbei an Eigenheimsiedlung und flott gemachten Neubauten. Kein Ortsfremder würde auf die Idee kommen, dass sich hier, inmitten bürgerlicher Idylle, ein Konzertsaal befindet, dessen Booking Dresden in der internationalen Liga der Tourstops von Szene-Bands mitspielen lässt. Hier spielten schon Moby und The Dresden Dolls, als sie noch niemand kannte.

IMG_20151211_200712859-01

Der Laden, der so unscheinbar von außen wirkt, haut einen wirklich um, wenn man ihn betritt. Er ist Ende des 19. Jahrhunderts als Ballsaal mit ca. 400 Plätzen entstanden. Und auch wenn er später als Kino und Verwaltungsgebäude diente, hat er das behalten, was einem als erstes auffällt: Die aufwändige Stuckdecke unter die man einfach eine Diskokugel gehängt hat. Rot gestrichene, archaische Säulen säumen die ehemalige Tanzfläche. Hinter uns die Bar, vor uns die Bühne, dazwischen ein wahnsinnig guter Sound. Den Anheizer spielt an diesem Abend, der Dresdner Straßen-Rap-Heroe Gossenboss mit Zett. Die Antilopen reißen danach den Laden natürlich standesgemäß ab, aber das ist eigentlich immer so im Beatpol. Sobald dort die Bühne bespielt wird, brennt die Hütte. Und so soll es sein!

IMG_20151211_222244883-01

Die Geschichte des Beatpol, der früher mal Starclub hieß, kann man an die Wänden geklebt nachlesen. Alte Programmplakate zeugen von epischen Konzerten seit 1990: MuffPotter, Selig, Turbostaat. Bandposter bilden eine Chronik der legendären Bühnenvergangenheit ab: Neurosis, Fu Manchu, Laibach. Aber es lohnt sich, auch auf’s Detail zu achten. Hier und da finden sich überraschende Kleinigkeiten unter den Einrichtungsgegenständen: Leselampen mit bekordelten Schirmen, Stehlampen aus den 60ern. Das alles ist außerordentlich schmuddelig-schick, sehr pittoresk und gleichzeitig so Punkrock. Auch die Ticket-Preise sind moderat, die Barpreise der wirkliche fitten Bar mehr als fair.

IMG_20151211_201124033_HDR-01

Als allenfalls authentisch muss man übrigens die sanitären Anlagen bezeichnen. Abschließen kann man dort eigentlich nichts. Große Lücken zwischen Türrahmen und Toilettentür sorgen für die nötige Nähe zwischen Wartenden und Müssenden. Loben muss man, wie bei den meisten Musikläden, natürlich aber die „Kunst“ an den Toilettenwänden. Insgesamt nichts für Leute mit schüchterner Blase. Insgesamt aber auch nichts, was sich nicht mit zwei Bier schön trinken lässt. Denn die Stimmung im Beatpol ist immer freundschaftlich, immer friedlich und immer wahnsinnig gut. Vermutlich liegt das an diesem Zusammenspiel von Ramsch-Ästhetik und Krach-Idylle, dass diesen Laden ausmacht. Einfach DER Grund, nach Briesnitz zu fahren.

IMG_20151211_210532006-01

Im neuen Jahr erwarten euch wieder krasse Konzerthöhepunkte von Corvus Corax über Me and my Drummer bis hin zu Jupiter Jones. Am besten Gutscheine zu Weihnachten verschenken, aber auch unbedingt selber vorbeigehen.

Beatpol 
Altbriesnitz 2a (in der Nähe der Autobahn-Abfahrt Altstadt)
01157 Dresden

https://www.youtube.com/watch?v=jQqCG4A3jfY

Comments

comments

1 Kommentar

  1. […] Ich möchte auch gar nicht weiter ausholen, sondern euch einfach den tollen Blogbeitrag von Typisch Dresden ans Herz legen, der mir aus dem Herzen spricht. Also bitte unbedingt […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

%d Bloggern gefällt das: