Warm-funkelnd: Eröffnung vom Striezelmarkt

Endlich wieder Glühwein und herrlicher Kitsch! Dresdens Weihnachtsmarkt-Saison hat mit der Eröffnung des Striezelmarktes begonnen und wir haben uns dort umgesehen.

Es ist halb vier an diesem grauen Nachmittag, es ist feucht und kalt. Und trotzdem bin ich guter Dinge. Vor ein paar Minuten hat die offizielle Eröffnung des Strietzelmarktes mit dem traditionellen ökumenischen Gottesdienst und dem Dresdner Kreuzchor in der Kreuzkirche begonnen. Dresden wirft sich also heute in die Weihnachtsmarkt-Saison, was bedeutet, dass sich gefühlt die halbe Stadt in einen Weihnachtsmarkt verwandelt. Überall Glühwein, Würstchen, gebrannte Mandeln und Kitsch – hach, ich steh drauf.

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Nummer eins auf der Liste des hiesigen Weihnachtsmarkt-Junkies ist und bleibt der Striezelmarkt, komme, was wolle. Also wandere ich hier umher, 30 Minuten bevor die Händler offiziell eröffnen dürfen, und schau mich um, bevor mich die üblichen Menschenmassen erdrücken. Es ist ein herrlich geschäftiges Treiben.

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Die Händler scheinen aufgeregt: Hier noch die Deko zurechtrücken, dort noch die Ware neu drappieren. Ein junger Mann mit Irokesen-Haarschnitt atmet hinter seiner Süßigkeitenauslage tief durch und meint: „Schauen wir mal, ob wir nichts vergessen haben.“ Ein Glühweinhändlern erklärt einem älteren Ehepaar aus Hessen, dass er leider erst in einer halben Stunde ausschenken dürfe: „Wir wolldn o eher anfang‘.“ Zwei Damen im besten Alter versuchen sich mit hinreißend-sächsischem Charme zwei Knacker von einem Fleischer-Büdchen außerhalb der Öffnungszeiten zu ergaunern. Kinder linzen unter die halb geöffneten Rollläden der Handwerksstände.

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Herjee, da wird man ja selbst ganz hibbelig, wenn der ganze Altmarkt um einen herum so heinzelmännisch herumwuselt. Aber viel Zeit zur Vorfreude habe ich gar nicht mehr, denn dann läuft allen ernstes ein Pflaumentoffel an mir vorbei. Er hat ein Mädchen mit blonden Locken an der Hand, das ab und zu hüpft, und bei soviel wunderbarem Klischee auf einem Haufen, weiß ich: Jetzt geht es los.

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Vor der zentralen Bühne auf dem Altmarkt drängen sich die Menschen. Die Blaskapelle hat begonnen zu spielen und auf der Bühne wird neben dem Christkind auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert begrüßt. Hilbert stehen die schweren letzten Wochen ins Gesicht geschrieben, aber er scheint glücklich, hier zu sein – mal ein angenehmer Termin. Das Christkind „singt“ den Lichterglanz herbei und endlich erleuchtet der Strietzelmarkt.

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Die liebevoll dekorierten Büdchen werden hell, die Herrnhuter Sterne leuchten, Kerzen werden angezündet, das Riesenrad funkelt, die 22m hohe Weihnachtstanne ebenso. Der erzgebirgischen Pyramide gilt natürlich eine besondere Ansprache, bevor sie sich in Bewegung setzt. Und dann fehlt nur noch der Strietzel – der Stollen – zur Vollendung der Eröffnungszeremonie. 2.015 Millimeter ist er dieses Jahr lang (warum nur?) und wie immer wird er von der Dresdner Bäckerinnung auf die Bühne getragen. Der Innungsvorsitzende sagt, der OB sei „unserem Handwerk seit vielen Jahren verbunden,“ was als Witz gemeint ist. Aber niemand hier lacht. Jeder kann sehen, dass OB Hilbert Kuchen mag. Schon beschwert sich der Moderator über das ruhige Publikum. Tja, hättet ihr den Leuten mal vorher nicht den Glühwein verwehrt!!! Hilbert wünscht sich und unserer Stadt eine friedvolle Weihnachtszeit und Nächstenliebe – klingt vielleicht banal, kann aber derzeit nicht oft genug unterstrichen werden. Dann schneidet er den Stollen an wie ein Profi und verteilt ihn unter den Zuschauern.

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Natürlich ist diese Eröffnung nicht pompös, das würde nicht passen. Auch der Markt ist es trotz Weltruhm nicht. Er ist ein warm-funkelnder Hort, an dem man die stürmische Welt vergessen kann. Besinnlich, leuchtend, glühweingetränkt, verschnörkelt und typsich Dresdn. Rund 80 Prozent der über 200 Händler hier kommen aus Sachsen. Und doch ist man international. Ein indischer Stand zeigt wie man südostasiatische Handwerkskunst mit unserer Weihnachtsdeko verbinden kann, ein anderes Büdchen tröpfelt finnischen Honig in Kamillentee.

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Der Striezelmarkt ist zum Schauen da. Überall findet man Märchenfiguren, Weihnachtsbäume und kleine Häuschen, in denen man backen, basteln oder Filme schauen kann. Auch ein vielfältiges Programm gibt es in diesem Jahr. Und ja: Der Striezelmarkt ist meistens überfüllt (weil er so gut ist). Und nein: Die Preise sind nicht frech überzogen (sie sind wie bei üblichen Straßenfesten).  Und eines sollte klar sein: Man darf ihn nicht verpassen – egal ob als Ur-Dresdner oder als Reisender!

 

581. Dresdner Strietzelmarkt – Altmarkt Dresden
26. November  bis 24. Dezember 2015

täglich von 10:00 bis 21:00 Uhr

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