„Der Pro-Kopf-Bierverbrauch sinkt in Deutschland leider sehr.“ – Interview mit Barbara Staudenmaier vom Craft Beer Store

Der Hopfenkult Craft Beer Store in der Görlitzer Straße ist mehr sozialer Treffpunkt als nur Bierfachgeschäft. Und er hat eine neue Chefin.

Barbara Staudenmaier trinkt gern belgisches Triple Bier, kommt eigentlich „aus dem schönen Süden – Schwäbisch Hall“, aber ist seit 2013 auch waschechte Neustädterin. Sei Juli ist sie die neue Managerin bei Hopfenkult und führt bei ihrer Arbeit im Laden und bei Verkostungen Interessierte mit ihrem Fachwissen an die große Welt der Biervielfalt heran. Wir haben mit ihr über ihren Job und natürlich über Dresden gesprochen.

Craft Beer – was war das gleich nochmal?

Unter Craft Beer wird allgemein handwerklich gebrautes Bier verstanden. Das bedeutet, dass die Brauereien unabhängig von großen Konzernen sind, mit Liebe zur Biervielfalt arbeiten, traditionelle Bierstile wieder aufleben lassen und modern interpretieren. Craft Beer sollte für Qualität stehen, das fängt bei den Rohstoffen an, geht über die Verarbeitung in den Betrieben bis hin zum abgefüllten und ausgeschenkten Endprodukt.

Wie bist du zu Bierbranche gekommen?

Seit meiner Jugend trinke ich sehr gerne Bier und als ich neben meinem Studium an der TU Dresden einen Nebenjob in der Neustadt suchte, sah ich am Hopfenkult einen Zettel mit “Aushilfe gesucht”. Ich schnappte mir ein Ulrichs Bergbier aus meinem Gepäck aus Süddeutschland, stiefelte in den Laden und wurde, nichtsahnend von der sich mir eröffnenden großen Bierwelt, eingestellt und fühle mich seit dem in dieser Branche sehr wohl.

Was ist das Spannende an dem Job?

In Deutschland bilden sich viele Menschen was auf die großartige Biertradition ein, kennen selbst aber meist nicht mehr als fünf verschiedene Bierstile. Es ist Gold wert, bei Verkostungen dann den verwunderten und oftmals irritierten Gesichtsausdruck zu beobachten, wenn diese Menschen neue Gerüche und Geschmäcker von Bier kennen lernen. Außerdem gibt es ständig neue Bierstile und Brauereien zu entdecken, so wird der Job nie eintönig. Es gibt ziemlich abgefahrene Biere, das geht vom Bautzner Senf-Honig Bier, über saure Berliner Weisse mit Rhabarber hin zu wunderbar tiefschwarzen Kaffeestouts. Die Craftbeerszene ist außerdem sehr gut vernetzt, die Brauer*innen und Craft Beer Fans kennen sich oft und die meisten fachsimpeln sehr gerne. Wir im Hopfenkult versuchen auch die Macher*innen hinter den Bieren vorzustellen, indem wir sie zu unseren Verkostungen einladen, wo sie von ihren Geschichten und Ideen erzählen können.

Findest du, der Store ist „typisch dresdn“?

Ja und nein. Dresden ist ja bekanntlich Radeberger-Land, da ist es wichtig ein Zeichen zu setzen: Dresden ist nicht nur gleich typisch Radeberger, sondern kann auch guten Geschmack zeigen. Die bunte Vielfalt, die wir in unseren Regalen präsentieren ist zudem typisch für die Dresdner Neustadt.

Worauf können sich Craft Beer Fans in der nächsten Zeit besonders freuen?

Back to the basics – Pilsner und alkoholfreie Sorten. Craft Beer ist nicht nur abgefahrenes Zeug, wahres Geschick zeigt eine Brauerei beim Pilsner brauen. Viele kleine Brauereien wagen sich derzeit an dieses Experiment und das mit großen Erfolgen. Der Pro-Kopf-Bierverbrauch sinkt in Deutschland leider sehr, aber die Nachfrage nach Alkoholfreiem wächst stetig, da wird es auch in nächster Zeit vermehrt neue und leckere Geschichten unter 0,05% Alk geben.

Was ist dein Lieblingsort in Dresden?

Als absolutes Neustadtmädchen: Es gibt nichts schöneres als morgens in der Combo Kaffee zu trinken, Zeitung zu lesen und dem geschäftigen Louisenstraßentrubel zuzuschauen.

Deine Empfehlung: Wo kann man gut essen und Craft Beer trinken gehen in Dresden?

Das Raskolnikoff auf der Böhmischen Straße ist eine schöne Oase in der Neustadt und hat auch eine wechselnde Bierkarte mit regionalen Spezialitäten am Start.

Und noch eine Empfehlung, bitte: Was ist dein ultimativer Ausgehtipp in Dresden?

Zählt das Assi-Eck als Ausgehtipp, auch wenn es sich mehr wie ein Wohnzimmer anfühlt? Ansonsten ist es immer wieder lohnenswert, zum Festspielhaus nach Hellerau zu fahren und sich von zeitgenössischem Tanz verzaubern zu lassen oder sich selbst im Industriegelände zu elektronischen Beats in Ekstase zu tanzen.

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