„Fernab von Saufen für den Regenwald“ – Über das „soziale“ Bier Quartiermeister in Dresden

Seit 2014 steht ein Bier namens Quartiermeister (wahlweise auch „Quartiermeister*in“) in den Spätis, Bars und Läden unserer Stadt. Das Treiben der Leute, die dahinterstehen, solltet ihr im Blick behalten. Denn das Bier ist nur Vehikel für etwas Größeres und Unterstützer vieler spannender Projekte. Wir haben mit Meike Hornbostel über Quartiermeister geredet und sie gefragt, was dieses Bier in und für Dresden eigentlich macht. 

Zu allererst einmal die Frage: Was macht das Konzept um Quartiermeister überhaupt aus?

Quartiermeister ist das Bier für den Kiez. Es verbindet den Konsum bzw. den Genuss eines Produktes mit sozialem Engagement. Du kannst Bier trinken und gleichzeitig etwas Gutes für deine Nachbarschaft tun. Der Verkauf des Bieres ist nur Mittel zum Zweck, um soziale und kulturelle Projekte in der Stadt zu fördern, wo das Bier getrunken wird. Fernab von „Saufen für den Regenwald“ kommt unsere Unterstützung lokal, transparent und konkret an und jede und jeder kann online mitbestimmen, wohin das Geld fließt. Dahinter steht die Vision einer gerechten Wirtschaft, die Verantwortung für das Gemeinwohl übernimmt. Wir sind komplett unabhängig und bestehen aus einer GmbH, die das Bier vertreibt und einem Verein, der das Unternehmen kontrolliert und die Vision und die Projektförderung verbreitet. Jede und jeder kann Quartiermeister mitgestalten. Auch in Dresden engagieren sich über zehn Freiwillige.

Ihr sitzt ja in Berlin. Wie seid ihr auf Dresden gekommen?

Unsere Partnerbrauerei in der Oberlausitz, mit der wir für Quartiermeister Berlin schon über fünf Jahre zusammenarbeiten, liegt tatsächlich nur 50 Kilometer von Dresden entfernt. Die Regionalität ist eines unserer hohen Prinzipien. Wir wollen das Bier nicht mehr als 300 Kilometer transportieren. Aber wir möchten auch, dass andere Städte von unserem Förderkonzept profitieren. Ende 2014 sind wir dann das erste Mal mit der Karre nach Dresden gefahren, haben Engagierten und Gastronomen von unserer Idee erzählt und das Bier verkostet. Das war mehr oder minder eine Hauruckaktion. Die damalige Praktikantin kam aus Dresden und hatte eine Liste mit Anlaufstellen parat. Das Interesse war riesengroß und relativ schnell waren wir uns dann sicher, dass das funktionieren wird. Im folgenden Jahr stieß dann Andre aus Dresden zu uns, der von unserem Konzept in der Uni erfuhr, Feuer und Flamme war und sich um den Vertrieb kümmerte. Gemeinsam mit Alex, der parallel die Projektförderung betreute, entwickelte sich durch das Herzblut der beiden Quartiermeister Dresden ziemlich schnell.

Andre und Alex sind f++r Quartiermeister Dresden verantwortlich-01

Was ist das für eine Brauerei, mit der ihr kooperiert?

Die Kooperation mit der Stadtbrauerei Wittichenau besteht schon seit 2013. Wir begegnen uns partnerschaftlich auf Augenhöhe und profitieren beide von dieser Zusammenarbeit. Seit 2015 braut die Brauerei auch in Bio-Qualität nach unserem Rezept und hat sich als dritte Brauerei Sachsens für uns biozertifizieren lassen. Mit unserem hopfig-fruchtigen Bio-Pils und dem malzig-süffigen Bio-Rotbier können wir auch unseren ökologischen Ansprüchen gerecht werden.

Welche Vorteil bringt euch das Wirken in Dresden?

Im Gegensatz zu Berlin, ist die Szene aus Projekten und Stadtgestalter*innen in Dresden sehr vernetzt und konzentriert. Dadurch verbreitet sich die Idee hinter unserem Konzept und unsere Förderung schneller. Unsere Wirkung ist dann wirklich lokal erkennbar, ganz besonders natürlich in der Neustadt, wo die Barszene und die soziokulturellen Zentren direkt beieinander liegen. Mittlerweile ist Dresden nach Berlin die absatzstärkste Stadt von Quartiermeister.

Welche sozialen Projekte finden eure Unterstützung in der Region?

In Dresden haben wir in den letzten Jahren schon neunzehn Projekte fördern dürfen. Von der Fahrradselbsthilfewerkstatt, über den Geflüchtetenchor, einen politischen Videopodcast, bis hin zum feministischen Festival. Als Bier für den Kiez fördern wir vor allem kleine Projekte in der Nachbarschaft, überall dort wo Menschen zusammenkommen und sich gemeinsam für etwas Gutes in ihrer unmittelbaren Umgebung einsetzen.

Christopher und Lydia engagieren sich im Verein-01

Aber jetzt mal zum Bier: Wie schmeckt’s und zu welchem Essen würdet ihr sie empfehlen?

Unser Original Quartiermeister ist ein klassisches, würzig-mildes Pils, das sich durch seine einfache Drinkability mit Vielerlei kombinieren lässt. Das Bio-Pils dagegen ist etwas raffinierter und besitzt drei Aromahopfen, die dem Bier einen hopfig-fruchtigen Charakter verleihen. Das Bio-Rotbier besticht durch seinen malzig-süffigen Geschmack. Während das Bio-Pils gut zu Schnitzel und Rollbraten passt, kombiniert sich das Rotbier eher mit deftigen Wildgerichten wie Gulasch oder einer würzigen (Soljanka-)Suppe. In veganer Form sind diese Gerichte im SteffenHagen in der Neustadt erhältlich oder für Fleischliebhaber auf der wechselnden Tageskarte des Leonardo im Hecht zu finden.

Wo kann man das Bier kaufen?

In Dresden erhält man Quartiermeister in über einhundert Anlaufstellen. Im Café 100 bspw. gibt’s unsere Bio-Biere aus der Flasche oder das Original frisch gezapft vom Fass. Im Kino in der Fabrik kann man unser Bier bei einem Film auch genießen. Ansonsten gibt’s uns im Einzelhandel oder Bio-Einzelhandel. Alle Verkaufsstellen findet man online auf unserer „Bier-gibt’s-hier“-Karte.

Zu guter Letzt: Welche Open Air-Spots in Dresden empfehlt ihr für eine gemütliche Flasche Quartiermeister?

Louisengarten, Saloppe oder bei unseren Freund*innen im Falschen Hasen, die einen schönen Garten im Hinterhof haben.

QM_Rotbier Party (10)-02

Fotos von Benjamin Mikolajski 

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