„Das Positive braucht eine lautere Stimme“ – Interview mit Thomas Schlorke

Die Posen sind martialisch, die Bewegungen wirken kriegerisch, aber auf den Gesichtern liegt ein kindliches Glück, das kaum zu beschreiben ist. Jeder, der schon einmal bei der Wasserschlacht war, die seit 2009 traditionell das Stadtteilfest im Hechtviertel abschließt, kennt dieses flächendeckende Glück, das sich 15 Minuten lang zwischen der  Rudolf-Leonhardt-Straße und der Hechtstraße Bahn bricht. Da stehen sich zwei alterslose Fronten gegenüber – aufgedreht, laut, adrenalinberauscht. Und dabei ist diese Veranstaltung liebenswert unschuldig. Sobald der Dudelsackspieler, der den Tumult ankündigt, verstummt, fliegen Wasserbomben aus Kinderhänden, werden selbstgebaute Wasserkanonen benutzt, öffnen sich Hausfenster in oberen Etagen, um dem Spektakel mehr nasses Fundament hinzuzufügen. Am Ende steht ein ganzes Stadtviertel, erschöpft, schlammig und sehr selig zusammen und diskutiert, welche Straße den Kampf diesmal gewonnen hat. Drei Jahre lang hat sich der Fotograf Thomas Schlorke mit seiner Kamera in diese equipment-feindliche Fröhlichkeit gewagt und ihr Momentaufnahmen abgerungen, die man im Rausch der Teilhabe nie wahrnehmen könnte. „Von Zwergen und Titanen“ heißt die Ausstellung, die dazu entstanden ist. Eine Ausstellung, die Thomas den Machern der Wasserschlacht, den großen und kleinen Verrückten dieses Events, schenkt.

Für die Kunst bleibt dem gebürtigen Leipziger aber leider oft zu wenig Zeit. Als freier Fotograf hat er viel zu tun und steht für eine Reportage auch mal eine Woche auf einem Baugerüst, um sein Motiv zu begleiten. Wir haben ihn getroffen und ihn gefragt, was für ihn typisch Dresdn ist.

Worauf freust du dich 2017 in DD am meisten?

Ich habe jedes Jahr eine Reihe von Veranstaltungen, die ich mit Freunden mache. Ein bisschen außerhalb von Dresden gibt es ein Walpurgisfest mit Konzerten, Kunst und besonderer Gestaltung.
Das findet auf so einem alternativen Hof statt, ein altes Mühlengelände. Wir machen da immer einen kleinen Floor im Grünen mit elektronischer Musik und verfrickelter Deko. Darauf freu‘ ich mich jedes Jahr. Im Sommer will ich auch wieder ein paar ausgewählte Festivals besuchen und schauen, was es Neues gibt.

Was macht für dich Dresden aus?

Es ist im Gegensatz zur weitläufigen Meinung der Menschen, die nicht in Dresden leben, eine extrem vielfältige Stadt; eine sehr gebildete Stadt auch, mit einem sehr schönen Umland mit kurzer Erreichbarkeit. Meine Wahrnehmung von Dresden läuft eigentlich konträr zu dem ganzen Dresden-Bashing. Das sind alles Zerrbilder, die da besprochen werden und das ist schade. Dresden ist nicht so homogen, das sieht man auch in den unterschiedlichen Stadtteilen. Aber das Positive, das in dieser Stadt passiert, braucht einfach eine lautere Stimme.

Welchen Vorteil bringt dir das Wirken in Dresden?

Es gibt viel Branchenvielfalt, eine lebhafte Szene und für Fotografen einen guten Markt. Man muss natürlich ständig aktiv sein und immer versuchen, einen guten Job zu machen. Mein Antrieb ist, immer alles zu geben, unabhängig davon wie es bezahlt wird. Wenn man das tut, dann gibt’s hier genug Arbeit.

Was nervt dich zur Zeit am meisten an Dresden?

Der große Aufreger in Dresden ist, dass die Dresdner Entscheidungsträger einfach nicht die Klappe aufreißen und mal Stellung beziehen, z.B. zu Pegida. Das regt mich auf. Das ist in Leipzig total konkret passiert. Dresden kommt mir da vor wie ein großer verschlafener Haufen. Man hat die Chancen dazu gehabt – auch in der Landesregierung – und hat kein Profil gezeigt. Und das ist in Dresden irgendwie schon immer so. Eine starke Positionierung zu den aktuellen politischen Themen hätte in der öffentlichen Wahrnehmung über Dresden viel verändert.

Was ist dein Lieblingsort in Dresden?

Lieblingsort? Das Erste, was mir einfällt, ist die Aussichtsplattform in Rockau, direkt am Elbhang. Da hat man so einen geilen Blick über die Stadt, das ist der absolute Wahnsinn. Um dorthin zu kommen, fährt man Richtung Bühlau raus. Dort schaut man über Leuben bis in die Altstadt rein, aber quasi „von hinten“. Erst scheinbar „am Ende“ kommt die Altstadt. Von hier hat man einen ganz anderen Blick auf Dresden. Vor allem wenn so ein bisschen Dunst im Tal liegt und man die Kirchen nur als Schattenrisse sieht. Da kann man auch mal zum Sonnenuntergang hingehen. Es ist ein sagenhafter Blick, den nicht viele kennen und der großartig ist. Da setz ich mich manchmal auf die Bank und schau über Dresden und das befriedet mich.

Und was ist dein ultimativer Restauranttipp?

Der bester Inder der Stadt, das Little India. Es hat einen Grund, dass man da so schlecht einen Tisch bekommt. In anderen indischen Restaurants schmecken die Masalas oft alle gleich. Im Little India schmeckt jedes Gericht anders. Die Masalas sind aus Familienrezepten selber hergestellt und sind viel individueller. Das Spinat-Masala schmeckt wirklich nach Spinat, die Teriyaki-Spieße sind toll und schmecken nicht komplett durchgewürzt, die Minzgerichte schmecken wirklich nach Minze… es gibt einfach eine höhere Geschmacksvielfalt. Little India ist Küche mit  Familienrezepten und das ist ganz großartig.

 

Ausstellung „Von Zwergen und Titanen“
Foyer Foto Labor Service Görner
Königsbrücker Straße 20, 01099 Dresden

noch bis 31. März 2017

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