10 Dresdner Wörter, die Zugezogene erst lernen müssen

Die Dresdner haben eine ganz besondere „Gusche“. Und daran muss man sich erst einmal gewöhnen, wenn man neu in der Stadt ist. Wir haben mal eine Übersetzungshilfe für alle erstellt, die noch nicht so lange hier wohnen. Rechtschreibung ohne Gewähr. Bedeutung auch.

Es bringt viele interessante Begegnungen mit sich, wenn man als Brandenburgerin nach Sachsen übersiedelt. Man wird öfter auf einen Dialekt angesprochen, den man glaubt, nicht zu haben. Man muss erstmal lernen, was Buchteln und Tiegelwurst sind. Und man muss öfter mal nach der Bedeutung von Begriffen fragen, die man im Leben noch nicht gehört hat. Nach wie vor bin ich unsicher, ob die Wörte exklusiv „Dresdnerisch“ sind, wie sie geschrieben werden und ob ich die Bedeutung wahrlich durchblickt habe. Aber hier sind meine Lieblingswörter der hiesigen Mundart mit Bitte um Berichtigung, falls nötig.

1. Bippus

Oder vielleicht gar „Bibbus“? Dieses Wort muss am Anfang stehen, denn die Dresdenr lieben es und benutzen es sehr viel. Vielleicht gibt es in Dresden einfach viele Bippusse? Es gehört jedenfals zu den ersten neuen Begriffen, die ich hier lernen durfte und es heißt so etwas wie „Nippel“ oder „kleines hervorstehendes Teil“. Es ist niedlich und klingt ganz lustig.

Beispielsatz: „Da is een Bippus dran und da musste droff drüggen.“

2. Nupsi

Wer weiß, was ein Bippus ist, weiß automatisch, was ein Nupsi ist. Denn ein Nupsi ist ein ganz kleiner Bippus, ein Mini-Bippus quasi. Liegt ja auf der Hand.

Beispielsatz: „Da is noch so’n Nupsi dran, das musste abfriemeln.“

3. Neesche

Ein Wort, das man natürlich in biertrinkenden Studentenkreisen oft und viel gebraucht, denn da sind die Biere oft und schnell alle. Und die Neesche bezeichnet den traurigen letzten Rest in so einer Bierflasche.

Beispielsatz: „Der hat mir im Sterni wieder nur die Neesche drin gelassn.“

4. Oia!

Ein wildes Wort, oft kämpferisch vorgertragen. „Oia“ bedeutet so etwas wie „ja/oh doch!“ im Nachgang von Verneinungen. Damit wird in Dresdner Gefilden unterstrichen, dass man im Besitz von Informationen ist, die dem Wissen des Gegenübers voraus sind.

Beispieldialog: „Die Beiden sind kein Paar mehr.“- „Oia, die hab ich lednds erst wieder zusamm‘ gesehn.“

5. feensn

Ein weiteres klangvolles Wort mit latenter Brachialität. Im wortwörtlichen Sinne bedeutet es „weinen“, so in etwa wie es Kinder tun. Es wird aber im übertragenen Sinne auch als „jammern“ benutzt.

Beispielsatz: „Feense hier ega ni rum.“ (???)

6. ningeln

Ist die Bedeutungsschwester von „feensn“, nur eine Nuance wohlwollender. Wer ningelt, jammert auch nur ein bisschen und leise, dafür aber stetig.

Beispiel: „Du bist nur am ningeln, höre uff, wir wuppen das.“

7. ega

Naja, ich weiß nun wirklich nicht, wo das herkommt und wie es entstanden ist. Lange Zeit dachte ich, dass „ega“ nur ein Füllwort wie das Wörtchen „so“ sei, musste mich dann aber während eines Dynamo-Spiels im L-Block von Dresdner Muttersprachlerinnen aufklären lassen. Es bedeutet so etwas wie „ständig“ oder „fortwährend“ und es ist sehr süß.

Beispielsatz: „Mir liiieben Schegge, mor haun uns die ega nai.“ (???)

8. wuppen

Das hat was von aufwieglerischer Anpackmentalität. Jemandem, der Dinge wuppen will, dem trau ich mir selten zu widersprechen. Deswegen habe ich mich auch nie wirklich getraut einen Wuppen-Nutzer nach der detaillierten Bedeutung des Begriffes zu fragen. Es bedeutet frei übersetzt wohl so etwas wie „schaffen“ oder „bewältigen“.

Beispielsatz: „Wir wuppen das.“ (Angela Merkel, wenn sie Dresdnerin wär)

9. Guddi

Na gut, da Wort „guddi“ bedarf eigentlich keiner Übersetzung, es ist einfach nur die weich-sächsische Gute-Laune-Umgangsform des Wörtchens „gut“. Ich hab keine Ahnung, warum sich das eingebürgert hat. Es ist nur beeindruckend wie inflationär Dresdner und Dresdnerinnen es durch die Gegend flöten. Als Zeichen unbändiger Lebensfreude? Als Symbol echter „Sonne-aus-dem-Arsch-Mentalität“ oder um dir Montagmorgens ganz passiv aggressiv zu beweisen, dass es Leute gibt, die auch zu Wochenbeginn um 7 Uhr allerbeste Laune haben? Es ist und bleibt mir ein Mysterium.

Beispieldialog: „Wie geht’s dir?“- „Alles guddi!“ (kann auch als zustimmende Universalfloskel verwendet werden)

10. nu, nor und ni

Achtung Verwechslungsgefahr! Vor allem, wenn man denkt, man hat es kapiert, sollte man nicht auf die Iddee kommen, durch sächsische Lande zu fahren. Denn „nor“ kann in Meißen schon wieder etwas ganz anderes bedeuten als in der Landeshauptstadt. Während „nu“ natürlich „ja“ heißt und auch oft in Reihe verwendet werden darf („nunu“ oder auch „nu, nu-nu“), bedeutet „nor“ eher so etwas wie „nicht war?“ oder „stimmt’s?“ – „ni“ hingegen ist ein wichtiger Bestandteil der Formel „gor ni“, eine Art absolute Verneinung im Sächsischen und bedeutet natürlich „nicht“.

Beispieldialog: „Nunu, mir gehn heut ni mehr raus, nor?“ (Dialog im Dresdner Februar)

Comments

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1 Kommentar

  1. Christian sagt:

    Der Sachse ist „gemietlich“ und bequem. Wir benutzen nicht gern die Zunge beim Reden, was sich in unserem Dialekt stark und als das typisch „Säggssche“ abzeichnet.

    Das macht ein Betrunkener im Übrigen auch, weil seine Zunge zunehmend gelähmt ist. Dadurch klingt der Sachse besonders in Dresden und Leipzig oftmals wie ein Hardcore-Besoffener. Das hat aber auch einen Vorteil. Man merkt uns den Alkoholspiegel nicht gleich beim Reden an. ^^

    1. Bippus

    >>Oder vielleicht gar „Bibbus“?<>Jemandem, der Dinge wuppen will, dem trau ich mir selten zu widersprechen.<< Njanu, das machste risch so!

    9. Guddi

    Man sollte das eher als ein unumstößliches "passt schon, muss man nicht weiter drüber reden" verstehen. Wenn der Dresdner der Meinung ist, dass man eine bestimmte Sache nicht weiter bereden oder verfolgen muss, dann sagt er eben "und Guddi is" und die Sache ist erledigt. Ich verwende es z. B. nicht nur in Guter-Laune-Manier.

    "Is gudd nu!" kommt dann auch schon mal, wenn man uns trotzdem weiterhin auf den Sack geht.

    10. nu, nor und ni

    "Nunu, mir gehn heut ni mehr raus, nor?“ … ohne Worte!!! 😀
    Du hast aber noch das "najanu" oder kurz "njanu" vergessen. Bedeutet bei uns in Dresden "Na klar, ist doch logisch, oder?" Also unumstößlich.

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